In den ersten Tagen nach der Flut sah es so aus, als würden in der indonesischen Provinz Aceh Rebellen und Militärs ihren Krieg ruhen lassen und gemeinsam den Opfern der Naturkatastrophe helfen. Die Hoffnung trog.

Die indonesische Armee ging schnell wieder auf Konfrontationskurs. Generalstabschef Sutarto warf den Rebellen vor, Hilfskonvois anzugreifen. Deshalb soll nun die Truppenstärke aufgestockt und die Bewegungsfreiheit der Helfer aus dem Ausland eingeschränkt werden. Nur zu deren Schutz natürlich. Jedoch sind den internationalen Organisationen bislang keinerlei Angriffe bekannt. Wiederholte Angebote der Rebellen zu einem Waffenstillstand nehmen Regierung und Armee zur Kenntnis, gehen aber nicht darauf ein. Was also führen die Generäle im Schilde?

Die Militärs wollen die absolute Kontrolle über die Unruheprovinz behalten. Dabei stören ausländische Helfer und Journalisten, die sich ungehindert bewegen können. Und sie haben kein allzu großes Interesse an einer schnellen und friedlichen Konfliktlösung. Es ist in Indonesien kein Geheimnis, dass Teile der Armee an dem Guerillakrieg verdienen. Die Soldaten lassen sich den Schutz ausländischer Firmen vor Rebellenangriffen versilbern.

Die Menschen von Aceh zahlen dafür den höchsten Preis: Über 14.000 wurden in dem schon drei Jahrzehnte schwelenden Bürgerkrieg getötet, die meisten von ihnen Zivilisten. Die wenigen tausend Rebellen der „Bewegung freies Aceh“ kämpfen für die vollständige Unabhängigkeit von Indonesien. Weitreichende Autonomieangebote der Regierung lehnen sie ab, sie fordern einen eigenen islamischen Staat, mit der Scharia als Verfassung. Diese Forderung ist aussichtslos - die Region ist reich an Öl und Gas.