Die Parkas und Buttons aus den 80ern sind wieder in Mode gekommen. Gleichwohl bedeutet dies nicht, dass sich ihre Träger noch um das Waldsterben oder Wettrüsten scheren. Die Grünen, die aus der gleichen Epoche stammen, tun dies ebenso wenig. Damals - vor 25 Jahren – wurde die Partei von Naturschützern, Sozialisten, Pazifisten und Bürgerrechtlern gegründet. Ein Sammelsurium unterschiedlicher Motivationen entstand, mit dem Potenzial, die Bundesrepublik aufzuschrecken und im ewigen innerparteilichen Streit zu versinken.Heute ist die "Gefahr für die Demokratie", die der damalige SPD-Bundesgeschäftsführer Egon Bahr in den Grünen sah, an der Regierung. Streitereien werden hinter verschlossen Türen geführt. Und auch die gesellschaftlichen Themen haben sich gewandelt. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Hans-Christian Ströbele sagte dazu den Stuttgarter Nachrichten: "Bei aller Freude darüber, dass wir eine stabile Parlamentspartei geworden sind – für die Politik, die wir heute machen, wären wir vor 25 Jahren ausgepfiffen worden."Wie sah grüne Politik damals aus? Seit 1977 traten die ersten grünen und bunten Listen bei den Landtagswahlen an. Zwei Jahre später zur Europawahl schlossen sie sich zu einer gemeinsamen Liste zusammen und wurden als Protestpartei gewählt. Mit diesem Erfolg im Rücken und der Wahlkampfkostenerstattung im Portemonnaie gründeten sie 1980 in Karlsruhe die Bundespartei. Es folgte die erste Legislaturperiode mit grünen Politikern.1983: Bei der Bundestagswahl überspringt die junge Partei die Fünf-Prozent-Hürde und die ersten grünen Abgeordneten ziehen in Bonn in den Bundestag ein. Mit dabei sind die jetzigen Minister Joschka Fischer und Otto Schily, jede Menge Norweger-Pullis, Latzhosen und Sonnenblumen.1984: Joschka Fischer wird aus einer Bundestagsdebatte ausgeschlossen. Er hatte dem Bundestagsvizepräsidenten Richard Stücklen zugerufen: "Mit Verlaub, Herr Präsident: Sie sind ein Arschloch!" Er folgt damit seinem Parteikollegen Jürgen Reents.1985: In Hessen wird die erste Rot-Grüne Koalition gebildet. Joschka Fischer wird Landesminister und lässt sich in Turnschuhen vereidigen. Die Zuständigen im neu aufgebauten Umweltministerium besitzen weder Schreibmaschinen noch die geringste Verwaltungserfahrung.1986: Die Pazifistin Petra Kelly, die sich in den General Gert Bastian verliebt hatte, lehnt das Rotationsprinzip ab, nach dem sie aus dem Bundestag ausscheiden müsste. Die basisdemokratische Idee des ständigen Wechsels der Volksvertreter wird daraufhin aufgegeben.1987: Nachdem die Reaktor-Katastrophe von Tschernobyl im Jahr zuvor die Welt in Angst versetzt hatte, können die Grünen als Atomkraftgegner weiter punkten. Bei der Bundestagswahl erhöhen sie ihren Stimmenanteil auf 8,3 %.Was auf die ersten spektakulären Momente folgte, war eine tiefe Zerrissenheit der Grünen in einen fundamental- und eine realpolitischen Block. Otto Schily verließ die Partei und schloss sich der SPD an. Im Jahr der Wiedervereinigung verpassten die West-Grünen den Einzug ins Parlament. Die Linke Jutta Ditfurth trat aus. Auch außerhalb der Politik traf es die Grünen: Kelly und Bastian starben gewaltsam in einem Beziehungsdrama.Als sich 1993 Bündnis ’90 und Die Grünen zusammenschlossen, war die Talsohle überwunden. Der Flügelstreit zwischen Fundis und Realos war ausgestanden und die neue gesamtdeutsche Partei zog in den Bundestag ein. Vier Jahre später wurde die erste Rot-Grüne Bundesregierung gegründet und damit der Wandel zu einer realpolitischen Partei abgeschlossen: Joschka Fischer trug bei seiner Vereidigung zum Außenminister einen maßgeschneiderten Anzug. Bunt wurde es ein letztes Mal als der Außenminister bei einer Bundesversammlung von einem Farbbeutel getroffen wurde. Zuvor stimmten die Grünen für einen Kriegseinsatz im Kosovo."Was modern ist, was fortschrittlich ist, wird heute von den Grünen mitbestimmt", sagt die Parteichefin Claudia Roth, die sich vor 25 Jahren noch für die Hausbesetzer-Band Ton Steine Scherben engagierte und heute davon profitiert, dass Amt und Mandat nicht mehr getrennt werden müssen. Fortschritt sind die Ökosteuer auf Benzin, der Atomausstieg, die Homosexuellen-Ehe und das Dosenpfand. Der Wähler dankte es mit der Wiederwahl und dem ersten Direktmandat – für Hans-Christian Ströbele.