In der japanischen Stadt Kobe hat am Dienstag eine fünftägige UN-Konferenz zum Thema Katastrophenschutz begonnen. Die Veranstaltung ist bereits seit zwei Jahren geplant und steht nun stark unter dem Eindruck des tödlichen Tsunamis in Südasien. "Ich glaube, nach dem Tsunami erwartet jeder konkrete Ergebnisse", erklärte dazu der Hilfseinsatz-Koordinator der UNO, Jan Egeland. In den ersten Tagen werden die rund 4.000 Delegierten aus 150 Ländern Tsunami-Sondersitzungen abhalten. Bis Samstag soll ein internationaler Plan zur Schadensbegrenzung durch Naturgewalten verabschiedet werden. Das Gremium, in dem der weltweite Katastrophenschutz gebündelt werden kann, könnte das Sekretariat für Internationale Strategien zur Katastrophenvorbeugung der Vereinten Nationen in Genf werden ( www.unisdr.org ).

Gastgeber Japan hat den Vereinten Nationen eine Datenbank angeboten, in der weltweite Erfahrungen im Umgang mit Katastrophen gesammelt und Informationen zu Technologien für den Katastrophenschutz erfasst werden. Japan war zuletzt 1995 von einer großen Naturkatastrophe heimgesucht worden, als bei einem Erdbeben in Kobe fast 6.500 Menschen ums Leben kamen. Das Beben beschädigte hunderttausende Gebäude und verursachte Schäden von umgerechnet rund 73 Milliarden Euro. Der Wiederaufbau ist heute so gut wie abgeschlossen.

Eine wesentliche Forderung der UNO ist der Aufbau eines weltweiten Frühwarnsystems für Naturkatastrophen jeglicher Art, also auch Dürren, Hochwasser und Wirbelstürme. "Das System sollte in der Lage sein, auf Naturkatastrophen zu reagieren, die sich fast täglich ereignen, und nicht nur auf Tsunamis, die sehr selten sind", sagte Jan Egeland hierzu. Ein deutsches Modell für ein Tsunami-Frühwarnsystem, das Beobachtungen am Boden, im Meer und in der Luft integriert, hatte Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) vorgestellt. Das vom Geoforschungszentrum Potsdam (GFZ) entwickelte System sei danach schneller als das bisher eingesetzte aus den USA. Es kann nach Angaben der GFZ innerhalb von ein bis drei Jahren aufgebaut werden und soll insgesamt rund 45 Millionen Euro kosten.

Experten diskutieren inzwischen aber auch Wege, wie man Warnsysteme ohne große Organisationen und Geldgeber im Hintergrund aufbauen kann. So hat Robert X. Cringely in einem Artikel für PBS die mögliche Struktur eines lokalen Internet-Warnsystems für Tsunamis beschrieben. Hier wird mit seismographischen Rohdaten in Echtzeit, beispielsweise über das Pacific Northwest Seismograph Network, für die jeweiligen Küstenabschnitte die mögliche Größe und Richtung eines Tsunamis lokal errechnet. Die Software dafür existiert bereits oder ist leicht für diese Zwecke abzuleiten. Ein dafür konfigurierter Computer muss kein Hochleistungsrechner sein, er braucht für den Empfang der Daten kein DSL und kann beispielsweise beim örtlichen Kaufmann stehen.

Weitere Informationen:

World Conference on Disaster Reduction

International Strategy for Disaster Reduction