Der so genannte "Modezar" Rudolph Moshammer – der die Geheimnisse seines Lebens mit sich genommen hat, was immer da der Boulevard "aufzuklären" versucht – ist tot. Aber nun lebt, wieder einmal, eine Frage auf, die sich angesichts der raschen Auffindung des Täters natürlich stellt: Wie verhält es sich nun mit der Gen-Analyse von Spuren – mit der Erlaubnis und Begrenzung (oder der Ausweitung) des Einsatzes solcher Mittel. Das Prekäre dabei ist: Diese Frage, die Frage also nach den modernsten und präzisesten Ermittlungsmethoden stellt sich in einer Vielzahl von Zusammenhängen. Das gilt nicht nur für die Aufdeckung mehr oder weniger schwerer Verbrechen, das gilt auch für die Frage: Welche biometrischen Daten sollen oder dürfen in einem Personalausweis verpflichtend aufgenommen werden? Und wie steht es mit dem Recht eines Ehemannes, zu erfahren, ob ein Kind von ihm gezeugt wurde oder nicht?

Das Gemeinsame aller dieser Fälle ist dieses: Es gibt Methoden, etwas sehr genau zu ermitteln und zu wissen. Aber die Frage bleibt: Wer darf es wissen – und wie viel; und unter welchen Bedingungen? Das ist genügend Stoff für lange Abhandlungen. Hier soll nur eine Unterscheidung angeboten werden, die vielleicht ein wenig weiterhilft.

Ich antworte also gewissermaßen zwiespältig - oder doppelt: Niemand hat das Recht, alles über mich zu erfahren – meine genetische Disposition, mir drohende Krankheiten oder Veranlagungen, gar Begabungen oder Neigungen. Man könnte sogar fragen, ob ich selber ein Recht habe, dies alles über mich in Erfahrung zu bringen. Jedenfalls: Niemand anderes darf solches Wissen über mich erlangen ohne meine ausdrückliche Zustimmung, übrigens nicht nur zur Erlangung, sondern auch zu der Verwendung dieses Wissens im Einzelnen. Den genetisch gläsernen Menschen darf es nie und nimmer geben.

Andererseits: Ich habe kein Recht darauf, mich dort, wo es um gesetzliche Pflichten und die Rechte anderer geht, als ein anderer auszugeben, als der ich bin. "Ich soll für Robert Leicht Steuern bezahlen – aber ich bin doch gar nicht Robert Leicht. Das können Sie mir doch gar nicht nachweisen!" Das geht nicht! Sie, Herr Polizist, wollen überprüfen, ob ich derjenige bin, der auf dem Ausweis ausgewiesen ist, den ich Ihnen zeige – was geht Sie das an? Auch das geht nicht! Ich habe kein Grundrecht darauf, mit einem gefälschten Ausweis herumzulaufen. Mit anderen Worten: Niemand hat das Recht darauf, mit solchen gentechnischen Analysen zu erfahren, wie Robert Leicht ist. Aber der Staat hat das Recht zu erfahren, ob Robert Leicht derjenige ist, der auf dem Ausweispapier als derjenige ausgegeben, ob er derjenige ist, der an einem Tatort Spuren hinterlassen hat usw. usf. Oder noch einmal anders ausgerückt: Meine Individualität geht – über das hinaus, was ich selber von mir zeige -niemanden etwas; meine Identität aber (mit einem Ausweispapier, einer Verbrechensspur) steht nicht unter diesem Schutz.

Das heißt nun praktisch: Die Nutzung von DNS-Spuren in dem Umfang, der nur und ausschließlich die Identität von Spur 1 mit Spur 2 oder mit Material von mir festzustellen erlaubt, ist deutlich zu unterscheiden von einer darüber hinausgehenden Analyse meines Gen-Materials, die eben Auskunft geben könnte über meine Individualität .

Das ist freilich nur eine allererste Unterscheidung, mit der viele andere Fragen noch nicht gelöst sind. Aber ohne diese Unterscheidung lassen sich all die anderen Fragen nicht beantworten.