Dem traditionsreichen Feinkost-Lieferanten Rungis Express aus Meckenheim droht möglicherweise die Insolvenz. Das bestätigte Geschäftsführer George W. Kastner am Donnerstag gegenüber ZEIT.de . "Die Dresdner Bank hat uns völlig überraschend den Tageskredit gekündigt", sagte er. "Letzte Woche kam ein Fax mit der Kündigung und der Aufforderung, wir sollen bis Ende Januar unser Konto ausgleichen." Dieses sei vermutlich deswegen kurz ins Minus gerutscht, weil Belastungen schneller verbucht worden seien als Gutschriften, sagte Kastner. "Allerdings ist das Konto schon längst wieder ausgeglichen, aktuell mit rund 400 000 Euro Guthaben." Die Dresdner Bank wollte den Sachverhalt wegen des Bankgeheimnisses nicht kommentieren. Rungis Express beliefert nach eigenen Angaben rund 4500 Hotelküchen, Top-Restaurants und Feinkostläden in ganz Europa mit Delikatessen. Kastner muss nun so schnell wie möglich drei Millionen Euro auftreiben. "Wir dürfen aus insolvenzrechtlichen Gründen keine Ware mehr einkaufen, wenn wir die Bezahlung nicht sicherstellen können", sagte er. Dazu brauche man den Kredit. Seine Kunden seien daher am Mittwoch zum letzten Mal in dieser Woche beliefert worden. Ob es neue Lieferungen geben werde, hänge von den derzeit laufenden Verhandlungen ab. "Grundsätzlich liebe ich Ärger", sagte Kastner, "aber mit der Justiz möchte ich keinen haben."Rungis Express beschäftigt rund 400 Mitarbeiter und hat einen Jahresumsatz von ca. 70 Millionen Euro. Das Unternehmen sei in der Vergangenheit stets profitabel gewesen, sagte Kastner, für 2004 erwarte er "eine schwarze oder rote Null". Der Geschäftsführer dementierte Gerüchte, denen zufolge die Bielefelder Oetker-Gruppe Rungis Express übernehmen wolle.