Potenziale erschließen - Der Familienatlas 2005 als PDF

Der Standortfaktor der Zukunft heißt Familienfreundlichkeit – und Regionen, denen es nicht gelingt, ein familienfreundliches Klima zu schaffen, dürften auf lange Sicht auch wirtschaftlich das Nachsehen haben. Vor diesem Hintergrund hat das Wirtschaftsforschungsinstitut Prognos in Zusammenarbeit mit der ZEIT und dem Bundesfamilienministerium den Familienatlas 2005 vorgelegt. Alle 439 Kreise und kreisfreien Städte Deutschlands werden darin unter fünf Gesichtspunkten untersucht: allgemeine demografische Entwicklung, also Geburten, aber auch Zu- und Wegzüge von Familien; Betreuungsinfrastruktur (auch für kleinste Kinder und Schulkinder); Arbeitsmarktsituation und Bildungschancen; Sicherheit und Wohlstand; schließlich die Frage, wie gut (oder schlecht) Eltern dort bereits heute Familie und Berufstätigkeit miteinander vereinbaren können – zum Beispiel durch Teilzeitarbeit.

Der Familienatlas benennt acht Typen von Regionen, die in puncto Familienfreundlichkeit jeweils unterschiedlich abschneiden. Dabei wird sehr deutlich, dass es nicht das eine, einzige Wundermittel gibt, um Menschen zur Familiengründung zu ermutigen: Die exzellenten Betreuungsangebote in Ostdeutschland können die wirtschaftliche Schwäche mancher Gegenden dort bei weitem nicht ausgleichen. Die Großstädte sind zu teuer und zu gefährlich für Familien, darum "versingeln" sie trotz guter Bildungsangebote. In den wirtschaftlich starken "Heile Welt"-Regionen West- und Süddeutschlands macht sich das Fehlen guter und flexibler Kinderbetreuung zwar schmerzlich bemerkbar, ansonsten scheint aber eine vergleichsweise traditionelle Familien- und Beziehungsstruktur bisher der beste Garant für die Nachwuchssicherung zu sein (siehe Gruppe A und B).

Der Familienatlas will keine Noten für mehr oder weniger Familienfreundlichkeit vorgeben. Es geht vielmehr darum, den Akteuren auf lokaler Ebene zu zeigen, wie sie gerade ihren Standort familienpolitisch stärken können.

Die Familienministerin Renate Schmidt fördert deshalb seit Anfang 2004 "Lokale Bündnisse für Familie", die sich vor Ort darum kümmern, die Probleme junger Eltern zu lösen: Dabei kann es ebenso um Leih-Omas gehen wie um verlängerte Ladenöffnungszeiten oder bessere Bus- und Zugverbindungen. Die Kooperation von Wirtschaft und Kommunalpolitik gelingt offenbar gut: mehr als 200 Unternehmen beteiligen sich inzwischen an den bundesweit 120 "Bündnissen", die ihrerseits mehr als 25Millionen Menschen erreichen. Wir stellen sechs dieser Bündnisse in Kurzform vor (siehe Karte) und berichten ausführlich über das Ostfriesische Bündnis für Familie. Details zu Indikatoren und Methodik des Familienatlas 2005 und eine Übersicht über alle Kreise finden Sie im Internet .