Regionen
Von Jena bis Nürnberg - Lokale Bündnisse für Familien
Weil am Rhein
Gerade für Eltern, die im ländlichen Raum zwischen Wohnort und Arbeitsplatz pendeln, ist Kinderbetreuung ein Problem. In Weil am Rhein gibt es eine Vereinbarung zwischen Kommune und Unternehmen: Wer in der Stadt arbeitet, darf seine Kinder auch hier in den Kindergarten geben, das Wohnortprinzip entfällt. Initiator des lokalen Bündnisses für Familie ist eine Agentur, die Firmen bei der Organisation von Betreuungsangeboten für Mitarbeiterkinder berät oder dafür sorgt, dass Kinder am »Kindertag« ihre Eltern am Arbeitsplatz besuchen können. Oberbürgermeister und örtliche Wirtschaftsförderung unterstützen das Projekt.
Jena
Damit Eltern in Jena ihre Berufstätigkeit und die Bedürfnisse ihrer Familien besser vereinbaren können, haben Jugendamt, Universität und örtliche Unternehmen ein Kinderbetreuungsnetzwerk aufgebaut. Dazu gehören Betreuungsmöglichkeiten außerhalb der normalen Kita-Öffnungszeiten und ein Mini-Kindergarten schon für Kinder ab sieben Monaten. An Familien, die in eine kurzfristige Betreuungsnotlage geraten, vermittelt das Bündnis qualifizierte Babysitter und »Leihomas«. Die Universität Jena begleitet das Netzwerk mit einem Forschungsprojekt, das den Umfang und die Art des Betreuungsbedarfs in der Stadt noch präziser zu ermitteln sucht.
Einen in Deutschland neuen Ansatz verfolgt das lokale Bündnis für Familie in Hanau. Die »Zeiten des öffentlichen Raumes« sollen besser auf die Tagesabläufe von Familien abgestimmt werden. Stadt, ortsansässige Unternehmen, Verkehrsbetriebe, Kitas und Elterninitiativen arbeiten in dieser Frage zusammen. Das Hanauer Frauenbüro ermittelte in einer breit angelegten Umfrage die typischen Zeitengpässe für Familien. Als Reaktion auf die Ergebnisse bieten Stadtverwaltung, Arztpraxen und Kitas nun längere und flexiblere Öffnungszeiten an; es gibt Bushaltestellen »auf Zuruf« und Sammeltaxen für den Weg zur Arbeit. Die beteiligten Unternehmen führten unter ihren Mitarbeitern ebenfalls Zeitumfragen durch und bieten nun angepasste Arbeitszeitmodelle, Telearbeit und Notfallbetreuungen für Kinder an. Das jüngste Projekt des Bündnisses heißt »Zeitbrücken«: Tageseltern übernehmen von sechs bis sieben Uhr und von 17 bis 19 Uhr die Betreuung von Kindern, deren Eltern früh zur Arbeit müssen oder spät nach Hause kommen.
- Datum 20.01.2005 - 13:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 20.01.2005 Nr.4
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