Eichinger im Archiv-Interview "Ich spiele selten die letzte Karte"

Seit mehr als zwei Jahrzehnten beherrscht Bernd Eichinger den deutschen Film. Demnächst inszeniert er an der Berliner Staatsoper »Parsifal« und bringt den Weltbestseller »Das Parfüm« ins Kino. Eine Begegnung

DIE ZEIT: Sie haben vergangenes Jahr Ihren Vater beerdigt. Bei aller Trauer – tröstet Sie die Gewissheit, dass er stolz auf seinen Sohn war?

Bernd Eichinger: Die letzten 30 Jahre ist er bestimmt stolz auf mich gewesen.

ZEIT: Und in den Jahren davor?

Eichinger: Schwer zu sagen. Ich war für ihn sicher ein schwieriger Charakter. Das ist wahrscheinlich auch der Grund dafür, dass ich nicht zu Hause aufgewachsen bin, sondern in einem Internat.

ZEIT: Da klingt Traurigkeit durch.

Eichinger: Auf einem Friedhof wird einem klar, dass der Tod etwas furchtbar Rigoroses ist. Etwas ist unwiderruflich zu Ende, es ist nichts mehr zu korrigieren, nichts mehr nachzuholen.

ZEIT: Haben Sie geweint an seinem Grab?

Eichinger: Nein. Dazu war nicht die rechte Zeit. Ich hatte auf meine Mutter aufzupassen. Da konnte ich mir keine Schwäche erlauben. Ihr ging es dermaßen schlecht, da war etwas anderes angesagt als die Tränen des Sohnes. Ich habe mich darauf konzentriert, nicht zu weinen, also hat es auch nicht stattgefunden.

ZEIT: War es ein Augenblick, in dem man auch denkt: Was mache ich mit meinem Leben?

Eichinger: Die Frage, was man mit seinem Leben anstellt, sollte man sowieso stellen, nicht nur an einem Grab.

ZEIT: Ihr Vater war Arzt, welchen Beruf hat er sich für Sie gewünscht?

Eichinger: Ebenfalls den des Arztes, zu Anfang ganz sicher. Das hätte er sicher gerne gesehen, aber ich habe ihm auch früh gesagt, dass es nichts wird.

ZEIT: Hat er sich Sorgen gemacht um Sie?

Eichinger: Ich denke schon, er hat es mir auch einige Male gesagt. Wären wir uns damals näher gewesen, dann hätte er sich diese Sorgen nicht gemacht, dann hätte er gewusst, irgendetwas mache ich schon aus mir.

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