Eichinger im Archiv-Interview "Ich spiele selten die letzte Karte"

Seit mehr als zwei Jahrzehnten beherrscht Bernd Eichinger den deutschen Film. Demnächst inszeniert er an der Berliner Staatsoper »Parsifal« und bringt den Weltbestseller »Das Parfüm« ins Kino. Eine Begegnung

DIE ZEIT: Sie haben vergangenes Jahr Ihren Vater beerdigt. Bei aller Trauer – tröstet Sie die Gewissheit, dass er stolz auf seinen Sohn war?

Bernd Eichinger: Die letzten 30 Jahre ist er bestimmt stolz auf mich gewesen.

ZEIT: Und in den Jahren davor?

Eichinger: Schwer zu sagen. Ich war für ihn sicher ein schwieriger Charakter. Das ist wahrscheinlich auch der Grund dafür, dass ich nicht zu Hause aufgewachsen bin, sondern in einem Internat.

ZEIT: Da klingt Traurigkeit durch.

Eichinger: Auf einem Friedhof wird einem klar, dass der Tod etwas furchtbar Rigoroses ist. Etwas ist unwiderruflich zu Ende, es ist nichts mehr zu korrigieren, nichts mehr nachzuholen.

ZEIT: Haben Sie geweint an seinem Grab?

Eichinger: Nein. Dazu war nicht die rechte Zeit. Ich hatte auf meine Mutter aufzupassen. Da konnte ich mir keine Schwäche erlauben. Ihr ging es dermaßen schlecht, da war etwas anderes angesagt als die Tränen des Sohnes. Ich habe mich darauf konzentriert, nicht zu weinen, also hat es auch nicht stattgefunden.

ZEIT: War es ein Augenblick, in dem man auch denkt: Was mache ich mit meinem Leben?

Eichinger: Die Frage, was man mit seinem Leben anstellt, sollte man sowieso stellen, nicht nur an einem Grab.

ZEIT: Ihr Vater war Arzt, welchen Beruf hat er sich für Sie gewünscht?

Eichinger: Ebenfalls den des Arztes, zu Anfang ganz sicher. Das hätte er sicher gerne gesehen, aber ich habe ihm auch früh gesagt, dass es nichts wird.

ZEIT: Hat er sich Sorgen gemacht um Sie?

Eichinger: Ich denke schon, er hat es mir auch einige Male gesagt. Wären wir uns damals näher gewesen, dann hätte er sich diese Sorgen nicht gemacht, dann hätte er gewusst, irgendetwas mache ich schon aus mir.

ZEIT: Jetzt suchen Sie eine neue Herausforderung, Sie inszenieren an der Berliner Staatsoper den Parsifal.

Eichinger: Die Proben beginnen am 24. Januar – Premiere ist am 19. März.

ZEIT: Ein neues Terrain, das Sie da betreten. Wie kam es dazu?

Eichinger: Den ersten Kontakt mit Wagner gab es in ganz frühen Jahren. Mein Vater hat sein Medizinstudium mit Orgelspielen verdient. Später hat er seiner Familie sonntags auf dem Harmonium Wagner-Konzerte gegeben. Damals war das für mich und meine Schwester manchmal stressig, aber heute erinnere ich mich gerne daran. Auch daran, dass er, wenn er von nächtlichen Entbindungen nach Hause kam, oft Wagner-Schallplatten auflegte und so laut hörte, dass sie uns Kinder weckten.

ZEIT: Immerhin, eine erste Berührung war also schon da…

Eichinger: …vor zirka zwei Jahren sprach mich Peter Mussbach an, der Intendant der Berliner Staatsoper Unter den Linden. Tristan oder Parsifal?, das war die Frage. Er schlug mir ein Gespräch mit Daniel Barenboim vor. Am Ende entschieden wir uns für den Parsifal.

ZEIT: Keine Angst, dass Sie sich mit einer Oper verheben?

 

Eichinger: Doch, ja. Speziell beim Parsifal. Aber die Begeisterung für diese Aufgabe hat die Angst besiegt.

ZEIT: Will man in Berlin womöglich auch Ihren Namen?

Eichinger: Auch wenn’s so wäre, man hat mir eine Chance gegeben, die man nur einmal im Leben bekommt – wenn überhaupt.

ZEIT: Wenn Ihr Vater damals Wagner auflegte, bekam dies der ganzen Familie offenbar ganz gut. Wie war es sonst mit der Harmonie bestellt: Stießen sich die Welten bisweilen hart im Hause Eichinger?

Eichinger: Ja, ich war für meine Eltern ganz bestimmt ein relativ schwieriges Kind, ich habe ihren Wertekatalog nicht so bedient, wie sie es gerne gehabt hätten. Mein Vater war ein sehr konservativer Mann, in einem durchaus bürgerlichen, guten Sinn. Als Landarzt hatte er sehr stark traditionell geprägte Wertvorstellungen…

ZEIT: …ein Beispiel?

Eichinger: Sein Sicherheitsbedürfnis etwa, was bestimmt mit seinen Erlebnissen im Krieg zu tun hatte. Er hat selten darüber gesprochen, aber ich weiß, dass er als Arzt an der Front Hunderte von schwer verletzten Soldaten behandelt hat, egal, ob Freund oder Feind. Als er danach wieder nach Hause kam, hatte er von Abenteuern genug, danach wollte er Sicherheit, für sich, seine Familie. Und dann kam ich, hatte keine klaren Pläne für das Leben, meinem Vater muss das als die Haltung eines Hallodris vorgekommen sein. Dabei wollte ich wirklich nie ein Mensch sein, der aussteigt, bevor er überhaupt eine Ausbildung hat. Auch ich habe leistungsbezogen gedacht, allerdings zu meinen Bedingungen.

ZEIT: Welche waren das damals?

Eichinger: Ich hatte vor dem Abitur eine Rock-’n’-Roll-Band, da gab es so einen kurzen Moment, in dem ich dachte, vielleicht sollte ich professionell Musik machen.

ZEIT: Ein ganzes Leben lang mit der Gitarre in der Hand?

Eichinger: Es ist bei diesem Anflug geblieben, als Autodidakt war ich nicht gut genug. Ich wusste, es reichte nicht. Aber ich alleine wollte diese Entscheidung treffen.

 

Deutschlands erfolgreichster Filmproduzent, 1996 in der ZEIT mit dem Titel »Königsmacher des jüngsten deutschen Films« versehen, wurde 1949 in Neuburg an der Donau geboren. Eichinger, der immer mehr war als nur ein Produzent, der auch Regie geführt hat und Drehbücher schreibt, leitet sein Imperium der Constantin Film AG von einem Büro aus, das sich an der Kaiserstraße in München-Schwabing befindet und das den Charme eines Katasteramtes atmet.

Jalousien und Vorhänge versperren den Blick in den angrenzenden Hinterhof, auf Eichingers Schreibtisch stapeln sich die Klarsichthüllen, obenauf ein Terminplan, eng beschrieben, für die nächsten acht Tage. Der Hausherr trägt ein Sakko, blaue Jeans und Turnschuhe, ein weißer Seidenschal baumelt an der Lehne eines Stuhls. An dem schwarzen Konferenztisch, in dessen Glas sich das kalte Deckenlicht spiegelt, nimmt Bernd Eichinger immer denselben Platz ein, sodass mit der Rechten Telefon, Zigaretten und Aschenbecher bequem zu erreichen sind.

Für Glanz in diesem Raum sorgen allein die Trophäen in der Vitrine – eine ganze Armada funkelnder Bambis und Goldener Kameras, am vergangenen Freitag kam wieder ein Bayerischer Filmpreis dazu. Beweis dafür, dass Eichinger mit seinen Filmen den Geschmack des Publikums verlässlich trifft. Vor knapp 25 Jahren erregte er mit dem Film Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo Aufsehen. Der Blick auf das Milieu der gescheiterten Großstadtkinder in Berlin sorgte für Gesprächsstoff und einen Kassenerfolg. Mit einem Einspielergebnis von knapp 40 Millionen Mark war er der bis dahin erfolgreichste Film der Nachkriegsgeschichte.

Ob Die unendliche Geschichte oder Der Name der Rose, ob Rossini oder Der Schuh des Manitu – Eichinger-Filme füllten die deutschen Lichtspielhäuser. Das deutsche Kinojahr 2002 mit gut fünfzig Premieren, resümierte die Welt, habe »Bernd Eichinger gehört«; zwei Drittel der knapp 11,5 Millionen Besucher jenes Jahres habe das deutsche Kino Eichingers Filmen zu verdanken. In der Top-Ten-Liste aller seit 1980 in Deutschland produzierten Filme stammen sechs aus dem Hause Eichinger. Ob mit Der Untergang – die letzten Tage im Führerbunker ein weiterer dazukommt, ist noch nicht klar. Das Werk, von Kritikern als Kinoereignis des vergangenen Jahres gelobt oder als NS-Kitsch verrissen, fand bislang 4,6 Millionen Zuschauer.

Müde sieht er aus, wie er so dasitzt, die Beine weit von sich gestreckt. Unendlich müde. Obwohl er gerade einen Urlaub hinter sich hat, eine Kur, wie es auch heißt. Eichinger selbst sagt, es sei etwas von beidem gewesen. Eine Rundumrenovierung konnte er auch gut gebrauchen. Wer ihn etwa in der ZDF-Sendung Berlin Mitte gesehen hatte, übel gelaunt, fahrig, kurz angebunden, der musste sich ernsthaft Sorgen um ihn machen. Die Auszeit wurde generalstabsmäßig geplant. Ferien am Stück, Tage ohne Office, Meetings, ohne Skripte, das hat er bislang ja nie gemacht.

 

ZEIT: Ein Meister der Entspannung sind Sie früher nicht gewesen. Sie haben einmal gesagt, wenn Sie auf einer Luftmatratze im Meer trieben, meditierten Sie nicht, Sie beobachteten auch nicht die Wolken – nein, Sie stellten sich den Angriff eines Haies vor. Haben Sie sich gebessert?

Eichinger: Ich habe immer noch Angst vor dem weißen Hai.

ZEIT: Fürchteten Sie sich auch vor den medizinischen Checks während Ihres Urlaubs – hatten Sie Angst vor dem Ergebnis, vor einem schlimmen Befund?

Eichinger: Nein, da bin ich Fatalist. Wenn was kommt, dann kommt es eben.

ZEIT: Herr Eichinger, was treibt Sie an? Ist es die Gier auf ein neues Glücksgefühl?

Eichinger: Nein, das ist keine Gier. Ich werde angesprungen von Themen und von Menschen. Ich wünsche mir oft, es wäre nicht so. Und dann passiert es wieder. Also habe ich das Problem, dass ich mich auf viel mehr einlasse, als ich eigentlich packen kann. Und dann gibt es plötzlich kein Zurück mehr. Dann gerate ich in diesen kreativen Bann, den ich nicht mehr steuern kann. Ich will das nicht auf Biegen und Brechen vergleichen, aber ein Maler malt ja auch nicht, damit sein Bild verkauft wird, ein Musiker – wenn er ein guter ist – musiziert, weil er Musik machen will.

ZEIT: Fürchten Sie manchmal, diese kreativen Schübe könnten plötzlich ausbleiben?

Eichinger: Nein, nie. Ich habe eher Angst vor ihnen. Sie bedeuten, es geht jetzt wieder los, ich muss wieder weiter. Natürlich gibt es Filme, die ich mache, die bei mir nicht die ganz große Emotionalität auslösen. Aber sie gehören auch zu mir. Außenstehende sehen ohnehin nur die fünf bis sechs fertig produzierten Filme jedes Jahr, dabei sind sie nur die Spitze des Eisbergs. Darunter befindet sich ein breites Reservoir von rund 60 Filmstoffen, die wir parallel weiter und weiter zur Reife treiben.

ZEIT : Wie behalten Sie da den Überblick? Mit Computern?

Eichinger: Mit einem Computer kann ich nicht umgehen.

 

ZEIT: Wäre eigentlich ein Film über die Lebensgeschichte des Papstes ein guter Stoff? Ein Stoff nach Ihrem Geschmack?

Eichinger: Nein, ich wüsste nicht, wieso.

ZEIT: Denken Sie doch an die Stationen seines Lebens, seinen Weg von Polen nach Rom, an Solidarność, sein Nein zum Irak-Krieg.

Eichinger: Tut mir leid, Sie erwischen mich da auf einem völlig falschen Bein. Als Filmstoff kann ich mir ihn überhaupt nicht vorstellen. Was soll ich sagen?

ZEIT: Und Joschka Fischer? Ist sein Leben wenigstens ein Stoff?

Eichinger: Tut mir leid, damit kann ich ebenfalls nichts anfangen. Wie sollte das gehen? Praktisch alle Biografien sind eine Art bebildertes Fotoalbum. Sie ergeben bestenfalls eine interessante Aneinanderreihung von Situationen, aber noch keine Geschichte wie zum Beispiel Hänsel und Gretel.

ZEIT: Dann erklären Sie uns doch bitte kurz: Was ist ein spannender Stoff?

Eichinger: Geschichten, bei denen man nicht weiß, wie sie ausgehen.

ZEIT: Na ja, bei Hitler war schon bekannt, wie es ausgeht.

Eichinger: Sicher, es gibt Ausnahmen. Der Film Titanic gehört zum Beispiel dazu.

ZEIT: Wie steht es eigentlich mit Ihrem Großprojekt…

Eichinger: …Sie meinen bestimmt die Verfilmung von Patrick Süskinds Roman Das Parfüm. So, wie die Dinge liegen, werden wir im Juli mit den Dreharbeiten beginnen. Im Moment sind wir auf Motivsuche in Barcelona, wir erwägen aber auch, Teile des Films in Bordeaux zu drehen oder womöglich in Kroatien.

ZEIT: Über viele Jahre hinweg hat sich Süskind geweigert, Ihnen die Rechte zu verkaufen – was haben Sie letztlich bezahlt?

Eichinger: Kein Kommentar.

ZEIT: Wem vertrauen Sie denn jetzt den Stoff an?

Eichinger: Tatsächlich handelt es sich um den erfolgreichsten deutschsprachigen Roman seit Im Westen nichts Neues. Also sollte es auch ein deutscher Regisseur sein. Tom Tykwer wird die Regie führen. Wir sind in Verhandlungen mit Dustin Hoffman und Alan Rickman, der in den Harry Potter- Filmen als der böse Zauberer Voldemort zu sehen war. Die Hauptrolle wird Ben Wishaw übernehmen, der mit seinen nur 22 Jahren kürzlich in London als Hamlet die Theaterwelt zu Ovationen hinriss.

ZEIT: Das klingt ja vielversprechend. Zurück zum Leben. Hat das Internat Sie damals gut auf das spätere Leben vorbereitet?

Eichinger: Jedenfalls ging es sehr streng zu. Jeden Morgen um sechs in die Kirche, dann studieren, Frühstück, Schule, Mittagessen, eineinhalb Stunden Freizeit, studieren. Nach dem Abendessen und dem Abendgebet war dann Stillschweigen, man durfte bis zum Frühstück nicht mehr sprechen – in einem Schlafsaal übrigens mit 60 Mann.

ZEIT: Waren Sie bisweilen verzweifelt?

Eichinger: Wenn ja, dann habe ich’s verdrängt. Allerdings war es schon eine seltsame Art, unter den kontrollierenden Blicken katholischer Geistlicher erwachsen zu werden.

ZEIT: Haben Sie rebelliert?

Eichinger: Nein, da bin ich viel zu schlau. Wenn ich weiß, dass die anderen am längeren Hebel sitzen, rebelliere ich nicht, das macht keinen Sinn. Dann warte ich, bis meine Chance kommt.

ZEIT: Erwischen Sie meist den richtigen Zeitpunkt zum Rückzug, gehören Sie zu jenen, die Psychologen »die Unberührbaren« nennen?

Eichinger: Ganz bestimmt nicht. Ich bin niemand, der sich so schnell zurückzieht. Im Gegenteil, ich bin eine ziemlich aggressive Person. Aber ich weiß auch, wann ich keine Chance habe.

ZEIT: Wie zeigt sich diese Aggressivität?

Eichinger: Ich meine damit nicht nur eine physische Aggressivität. Ich will nach vorne, ich bin neugierig. Ich lasse keine Ausrede gelten.

ZEIT: Boxen Sie noch?

Eichinger: Im Keller unter diesem Büro hatte ich früher einen Boxring aufgebaut. Aber das ist schon Jahre her, jetzt befindet sich dort ein Schneideraum. Ich boxe nicht mehr.

ZEIT: Im Filmgeschäft, haben Sie einmal gesagt, ginge es wie beim Boxen darum, die Leute mit einer langen Geraden auf Distanz zu halten. Richtig?

Eichinger: Ich habe viel gesagt im Laufe der Jahre.

ZEIT: Schon mal selber zugeschlagen?

 

Eichinger: Früher eher, jetzt nicht mehr so. Aber manchmal zuckt meine Hand schon. Doch es muss schon viel passieren, bevor der Ernstfall eintritt. Beispielsweise wenn jemand versucht, mir an die Würde zu gehen, ich sage bewusst nicht Ehre, dieser Begriff ist mir zu lang gezogen. Ich bin empfindlich, wenn jemand den Respekt vermissen lässt. Das geschieht bisweilen auch bei geschäftlichen Verhandlungen.

ZEIT: Was ist eigentlich aus Ihrer Band geworden, die Sie damals verlassen haben?

Eichinger: Keine Ahnung, ich bin raus, das war einmal. Ich habe mich nie mit meiner Vergangenheit beschäftigt.

ZEIT: Sie sind nie zu einem Klassentreffen erschienen?

Eichinger: Nein, nie.

ZEIT: Nach dem Abitur haben Sie nur noch gemacht, was Ihnen Spaß macht?

Eichinger: So ist es gewesen. Ich bin aus diesem Internatstor rausgefahren, ohne mich noch einmal umzusehen. Um ein Haar wäre ich sogar Dorfschullehrer geworden, irgendwo in Bayern, das hätte ich auch gerne gemacht. Aber ich hatte das große Glück, dass zu jener Zeit die Münchner Filmhochschule gegründet wurde. Ich bewarb mich und wurde genommen. Wenn ich ehrlich bin, wusste ich nicht, ob die Filmhochschule wirklich etwas für mich war, bis ich dort meine Bestimmung gefunden habe. Ich war nie der Typ, der mit einer Super-8-Kamera in der Hand herumgelaufen ist. Fotografieren, das schon, ich habe viel gemalt, viel gelesen und geschrieben. Schreiben, ja, das war immer mein Ding.

ZEIT: Tagebuch?

Eichinger: Nicht so total und extrem wie zum Beispiel Goebbels. Ab und an habe ich etwas aufgeschrieben, die Ideen notiert.

 

Sein Büro betritt Bernd Eichinger oft nicht vor zwölf Uhr mittags. Der späte Dienstbeginn habe rein gar nichts mit privaten Ausschweifungen in den Nächten zu tun, wie er vorsorglich bemerkt. Die Zeitverschiebung zwischen München und Los Angeles bringt es nur mit sich, dass das Eichinger-Büro in Kalifornien seinen Betrieb erst beginnt, wenn in München schon Feierabend ist. Also hockt der Chef in Bayern eben länger an seinem Schreibtisch neben den Trophäen. Videokonferenzen, Telefonate, unterschiedlich sind die Themen, Promotions, Castings, auch der »Bullshit-Faktor« kommt dabei zur Sprache, überhaupt dieser ganze »Hollywood-Bullshit«. Es sind beliebte Begriffe in der kalifornischen Filmwelt.

Wenn Studiobosse unter sich sind, fragen sie: »Und der Bullshit-Faktor?« Das klingt unverblümt und ist auch so gemeint, an diesem Punkt geht es zur Sache: Wie gut ist der Deal? Wie viele Dollar ist ein Regisseur, ein Schauspieler wirklich wert? Wie gut ist der Mann? Wie sind seine früheren Filme, wo hat er gespielt? Mit wem? Was er von sich erzählt, entspricht es der Wahrheit, oder tut es das nicht, ist es also nur »Hollywood-Bullshit«? Bernd Eichinger genießt in Amerika den Ruf, echt zu sein. Der Mann aus Deutschland gilt als jemand, der Filme machen kann, »Bullshit-Faktor« null.

 

ZEIT: Spielen Sie in Ihrem Geschäft gern mit dem Risiko?

Eichinger: Nein, gar nicht, im Gegenteil. Ich möchte am liebsten alles kalkulieren können, aber leider geht das nicht. Viele Leute denken, ich suche das Risiko, in Wirklichkeit reduziere ich das Risiko, wo ich es kann. Wer zu sehr unter Druck gerät, ist nicht mehr kreativ, ich jedenfalls bin es dann nicht mehr. Ein bisschen Druck ist in Ordnung, aber wenn der Erfolgsdruck zu groß wird, suchen Sie automatisch nach dem sichereren Weg. Aber Erfolg findet in Wahrheit selten in der Mitte statt, sondern immer an den Außengrenzen.

ZEIT: Hilft Ihnen Marktforschung? Also der Versuch, vorab durch Untersuchungen herauszufinden, was Menschen sehen wollen?

Eichinger: Das nützt gar nichts. Sie können einen Menschen nicht fragen, in welchen Film er gehen würde, bevor er ihn gesehen hat. Sie können nicht erforschen, was jemand in zwei Jahren sehen will. Sie müssen in die Zukunft schauen, etwas finden, was noch nicht da ist. Sie müssen Trendsetter sein und nicht hinterhertrampeln.

ZEIT: Wann merkt man während des langen Entstehungsprozesses eines Films, dass es ein guter Film wird?

Eichinger: Schwierig zu beantwortende Frage. Das ist nicht zu erklären mit ein oder zwei oder drei Dingen, das setzt sich eher wie eine Wetterkarte zusammen, von da kommt ein Hoch, von da eine plötzliche Kaltfront, und da hinten zieht ein starker Wind auf. Ein Film ist nie ein abgeschlossener Prozess, dauernd verändert sich was. Ein Beispiel: Während der Dreharbeiten verschiebt sich oft die Gewichtung von Schauspielern, weil einer besonders gut drauf ist und sich nach vorne schiebt. Am Ende stehen Sie im Schneideraum und müssen alles in eine Balance bringen. Das ist jedes Mal wieder eine wilde Situation. Weil man ja auch weiß: Ein Zentimeter daneben bedeutet beim Film einen Kilometer daneben. Entweder Sie sitzen auf der Zwölf, oder es ist aus.

ZEIT: Gibt es da auch Momente der Angst?

Eichinger: Ja, klar. Die Angst kommt auch nicht schleichend, sondern die Angst trifft einen wie eine Riesenfaust mitten ins Gesicht. Dann ist man erst mal betäubt. Man glaubt auch nicht, dass man aus diesem Albtraum jemals erwacht.

ZEIT: Und dann? Rufen Sie da jemanden an?

Eichinger: Ich besinne mich erst mal auf mich. Das ist das Wichtigste in solchen Situationen: Besonnenheit. Man muss die Nerven behalten. Man muss sich daran erinnern, warum man diesen Film ursprünglich mal angestoßen hat. Was war einem am Anfang wichtig? Das ist eigentlich das Einzige, was zählt. Es ist wichtig, sich an den ursprünglichen Pfad zu erinnern, weil man in schwierigen Momenten gerne auf vermeintlich bequeme, breitere Pfade ausweichen will – das darf man nie tun. Wenn das bedeutet, unangenehme Entscheidungen sind jetzt fällig, dann sind sie eben fällig.

ZEIT: Wenn Sie zurückblicken, gab es einen Film, in dem der Jongleur Eichinger die verschiedenen Bälle am Ende nicht mehr auffangen konnte?

Eichinger: O ja, zum Beispiel bei dem Film Der große Bagarozy

ZEIT: …da führten Sie selbst auch Regie. Ein anspruchsvoller Stoff: Die Hauptrolle spielt der Teufel…

Eichinger: …da ist mir was nicht gelungen. Ich habe das sogar relativ früh erkannt, weil mir das Ende des Films nicht sofort eingefallen ist. Das war die erste rote Ampel, und ich habe sie überfahren. Während der Dreharbeiten habe ich noch an verschiedenen Schlüssen geschrieben, das darf eigentlich nicht sein. Na gut. Beim Schreiben war ich noch optimistisch, aber im Schneideraum habe ich dann gemerkt, es geht nicht zusammen, nicht wirklich.

ZEIT: Was waren die härtesten Momente für den Produzenten Eichinger?

 

Eichinger: Wie gesagt, ich suche das Risiko nicht. Ich spiele selten die letzte Karte, ich mag das nicht. Aber manchmal geht es eben nicht anders.

ZEIT: Wann zum Beispiel?

Eichinger: Bei der Unendlichen Geschichte gab es diese Situation. Ich wusste irgendwann, wenn ich jetzt nicht mit dem Drehen beginne, fällt mir das ganze Projekt zusammen. Ich hatte aber die Finanzierung noch nicht abgeschlossen, mir fehlten elf Millionen Dollar aus den USA. Wir haben drei Wochen lang gedreht, dann bin ich mit dem Filmmaterial nach Los Angeles gefahren. Ich habe es den Studios gezeigt, und Warner hat schließlich ja gesagt.

ZEIT: Wenn Sie in einem solchen Moment scheitern würden: Könnten Sie möglicherweise diesen Augenblick genießen?

Eichinger: Das Scheitern genießen? Um Gottes willen, nein. Dieser Gedanke ist absurd. Aber ich kenne gut das Gefühl von Rückschlägen, viel häufiger, als je davon in der Öffentlichkeit bekannt wurde. Das reicht mir völlig.

ZEIT: Hilft die Erfahrung, es doch immer wieder hinbekommen zu haben?

Eichinger: Nein, eher im Gegenteil. Es heißt doch schnell, ja, früher war er gut, aber jetzt hat er die Magie verloren. Seine Zeit ist vorbei. Diese Haltung ist ja auch verständlich. Man ist immer so gut wie sein letzter Film.

ZEIT: Sie haben gegen Ende der neunziger Jahre die Hysterie des Neuen Marktes erlebt. Ihre Constantin Film wurde zu einer Aktiengesellschaft, landete an der Börse, mit zuweilen schillernden Partnern wie Leo Kirch und Herrn Haffa.

Eichinger: Ich habe diese Zeit nicht als zynisches Geldmachen verstanden, sondern als eine Chance. Dieses Umwandeln der Firma in eine neue Gesellschaftsform war im Prinzip richtig, auch wenn wir harte Zeiten durchleben mussten.

ZEIT: Haben Sie auch selber mit Aktien spekuliert?

Eichinger: Nein, das ist überhaupt nicht meine Welt. Aber ich war natürlich betroffen, als der Aktienwert unserer Firma sank, als alles andere niederbrach. Die Anleger waren vom Neuen Markt enttäuscht und hatten sich kollektiv von den Medienwerten zurückgezogen.

ZEIT: Erinnern Sie sich noch an die erste Begegnung mit Leo Kirch?

Eichinger: Er war damals schon eine Legende. Er strahlt eine unwahrscheinlich unternehmerische Lust und Power aus. Wie ich ihn erlebt habe, ist Kirch mit Leib und Seele Händler, er muss einfach Geschäfte machen, und dies auf eine durchaus kreative Weise. Ich mag solche Menschen. Leo Kirch kann man am besten mit seinen eigenen Worten beschreiben. Er wurde einmal gefragt, was sein größter Wunsch sei. Da antwortete er: Ein Monopol. Das ist nicht uncharmant. Aber wissen Sie, ich fühle mich gar nicht berufen, über ihn zu sprechen. Das kann der Leo schon selbst.

ZEIT: Als er Ihnen damals das Du angeboten hat, war das ein besonderer Moment?

Eichinger: Ja. Ich habe mich gefreut. Wirklich. Dieser Mann hat Charisma. Aber jeder, der sich mit ihm einlässt, muss wissen, mit wem er es da zu tun hat.

ZEIT: Wie meinen Sie das?

Eichinger: Na, ich würde sagen, man muss wissen, dass man sich mit einem Bären ins Bett legt. Wenn der rüberrollt, sind Sie platt.

ZEIT: Sehen Sie sich heute noch?

Eichinger: Nein. Leider nicht.

ZEIT: Haben Sie von ihm etwas gelernt?

Eichinger: Ja – eine gewisse Gelassenheit gegenüber dem Leben und Sterben. Er hat auch versucht, mich zu lehren, wie man Profit macht. Ich glaube allerdings, dass ich da, was meine Person betrifft, kein guter Schüler war.

ZEIT: Von wem haben Sie überhaupt etwas gelernt?

Eichinger: Das hört sich brutal und wahrscheinlich fürchterlich überheblich an. Aber ich hatte immer das Gefühl, ich wusste das alles schon. Ich habe nicht den Eindruck, von meinem ersten Film etwas dazugelernt zu haben. Irgendwie war das immer schon da. Ich wusste immer, ich kann das.

 

Bernd Eichinger hat in den vergangenen Jahren etwas getan, was nicht viele Bosse können: Er hat Macht abgegeben. Er gab den Job des Vorstandsvorsitzenden bei der Constantin Film AG, den er 1999 angetreten hatte, auf. Eichinger wäre nicht Eichinger, würde er nicht betonen, dass er diesen Job natürlich beherrschte: »Klar kann ich das.« Aber er habe sich eines Tages eben überlegt, ob die langen Sitzungen, die Termine mit den Banken und Börsenspezialisten, das Studieren von Bilanzen wirklich seine Welt seien. Und Eichinger wäre nicht Eichinger, wenn er nicht sofort Konsequenzen aus der Beantwortung dieser Frage gezogen hätte: Seit April 2003 ist er nur noch Aufsichtsratsvorsitzender von Constantin und kehrte in das kreative Geschäft zurück. Führt fortan wieder Regie, schreibt Drehbücher, kontrolliert die künstlerischen Prozesse der Firma.

Bernd Eichinger antwortet während des Interviews oft sehr kurz, manchmal wirkt er fast spröde. Doch jetzt, beim Reden über die Fantasie, hält er einen Monolog, ist kaum mehr zu stoppen. Dann ist plötzlich ein unbändiges Lachen in seinem Gesicht, das die Augen fast gänzlich verdeckt. Ob er gern noch etwas mehr Kind geblieben wäre. Nein, meint er, »ich bin Kind geblieben, das ist der Kern meines Wesens«. Klingt ziemlich kitschig, aber man möchte es ihm in diesem Moment abnehmen. Wer weiß, vielleicht ist ja ausgerechnet das der Grund, warum so viele andere in diesem Geschäft untergegangen sind und er immer noch da ist.

 

 

ZEIT: Herr Eichinger, wenn man sich in Ihrem Bekanntenkreis umhört, heißt es immer wieder, mit Männern kann der nicht besonders, die Welt der Männer interessiert ihn nicht.

Eichinger: Das ist richtig. Vielleicht kommt das daher, weil ich im Internat über Jahre nur mit Jungs zusammen war. Aber, um ehrlich zu sein, ich habe mich in Männergesellschaften nie wohl gefühlt. Ich gehe nicht kegeln, spiele keine Karten und fahre schon gar nicht mit Männerfreunden in Urlaub. Ich fürchte wirklich, Männer sind eher uninteressant.

ZEIT: Haben Sie einen besten Freund?

Eichinger: Nein. Ich habe einen Freundeskreis, der auch zuverlässig ist, aber einen besten Freund, nein. Gott sei Dank habe ich ein paar beste Freundinnen.

ZEIT: Geht das überhaupt: Bernd Eichinger und eine platonische Beziehung?

Eichinger: Klar geht das. Ich bin ja sowieso nicht Anhänger einer gewissen Automatik, also nach dem dritten Date läuft irgendwas oder nicht. Das ist ganz schrecklich. Ich finde, platonische Beziehungen können sehr sexy sein.

ZEIT: Sie waren mit mehreren Schauspielerinnen liiert. Was unterscheidet eine Schauspielerin von einer anderen Frau?

Eichinger: Schauspielerinnen sind, wenn sie gut sind, extrovertiert und verletzlich. Ich mag das, weil es meinen Beschützerinstinkt weckt. Bei Männern kann das manchmal anstrengend sein, aber bei Frauen finde ich großartig, wenn sie aus vollem Herzen manisch sind. Männer denken viel karrierebetonter und sind deswegen auch ermüdend. Also ich mach das, dann das, und dann bin ich das. Frauen wollen einfach diese eine Rolle spielen und nichts sonst.

ZEIT: Sie haben die Möglichkeit, Karrieren zu machen. Gibt es eine Gefahr, diese Macht zu missbrauchen, Stichwort Besetzungscouch?

Eichinger: Der Moment der Wahrheit kommt so schnell, spätestens wenn der Film ins Kino kommt. Es gibt doch nur eine Frage, die zählt: Ist sie diese Rolle, oder ist sie es nicht? Ich will ein Beispiel nennen: Manchmal wird geschrieben, ich sei der Entdecker von Nina Hoss, wegen ihrer Rolle als Mädchen Rosemarie. Da kann ich nur sagen: Schauen Sie sich Nina Hoss an, ihre unglaubliche Präsenz auf der Bühne und auf der Leinwand. Die braucht niemanden.

ZEIT: Was kann Ihnen gefährlich werden? Alkohol? Drogen?

Eichinger: Ich komme aus einer Generation, deren Leitspruch hieß: »Sex and Drugs and Rock ’n’ Roll«. Früher konnte ich eine Flasche Wodka trinken und war am nächsten Morgen um neun Uhr völlig fit. Heute geht das nicht mehr, ich merke jede durchzechte Nacht. Deshalb trinke ich viel weniger, unter der Woche meistens gar nichts. Gefährlich kann mir nur eine Sache werden: Wenn ich mich wirklich verliebe, das ist heftig.

ZEIT: Sie sind 55. Haben Sie Angst vor dem Alter?

Eichinger: Ich hatte nie einen Plan. Früher konnte ich mir nicht vorstellen, wie man überhaupt älter wird. Wie geht das? Keine Ahnung. Bis ich vierzig wurde, hatte ich noch nie eine eigene Wohnung. Ich lebte in Hotels oder in hotelähnlichen Appartements. Ich hatte nie ein einziges Möbelstück, auch Bücher habe ich, wenn sie ausgelesen waren, einfach zurückgelassen. Ich hatte das Gefühl, so ein Indianer zu sein mit wenig Gepäck, das ist irgendwie besser. Nach meinem vierzigsten Geburtstag nahm ich eine Wohnung, richtete sie auch ganz überlegt ein. Da wohne ich heute noch drin.

ZEIT: Angenommen, in dieser Wohnung bricht ein Feuer aus, was würden Sie unbedingt vor den Flammen retten wollen?

Eichinger: Wenn der ganze Krempel verbrennt, dann würde ich auch kein einzelnes Stück in Sicherheit bringen. Dann brennt’s halt ab.

 

Bernd Eichinger – der Indianer mit wenig Gepäck: Das ist eines der Bilder, die er gern von sich entwirft. Ein anderes ist das des Raubeins oder das des einsamen, des ruhelosen Wolfs. Zeitungen nennen ihn gern den »deutschen Tycoon«. Wenn man ihm viele Stunden lang gegenübersitzt, wirkt er anders, verletzlicher, nervöser. Das mag damit zu tun haben, dass seine Hand ein bisschen zittert, wenn er seinen Kaffee trinkt – eine Beobachtung, die man nicht überbewerten sollte, denn das schrieben Journalisten auch schon vor zwanzig Jahren über ihn. Er hat in der Branche einen guten, fast zu guten Ruf, weil er einigen Leuten geholfen hat. Aufhebens macht er nicht davon, mehr noch, er dementiert lieber, ein Wohltäter sei er weiß Gott nicht. Er gibt zu, dass ihn böse Kritiken zuweilen verletzen. Eichinger ist ein Künstler, und er will als ein solcher wahrgenommen werden. Das ist sein wunder Punkt. Da ist er empfindlich.

ZEIT: Wären Sie gern ein Genie wie vielleicht Orson Welles?

Eichinger: Der Begriff Genie … ich weiß nicht. Man sollte mit solchen Begriffen sorgsam umgehen.

ZEIT: Sie schwärmen für Maria Callas.

Eichinger: Sie ist meine absolute Göttin. Das ist die Jahrhundertstimme. Dazu kommt die Person, die Lebensgeschichte, das gehört alles zusammen. Was wir vorhin über Schauspielerinnen gesagt haben, stimmt bei Sängern natürlich auch. Du kannst nur interpretieren, was tief in dir drinnen ist. Maria Callas war eine tief emotionale, dramatische Person mit einem, oberflächlich gesehen, unglücklichen Leben. Diese Frau bedeutet mir sehr viel. Ich kann das nicht genau beschreiben.

ZEIT: Herr Eichinger, 1981 brachten Sie in Berlin den Film Christiane F.: Wir Kinder vom Bahnhof Zoo heraus. 23 Jahre später, 2004, kam Der Untergang: Können Sie das Deutschland von damals mit dem von heute vergleichen?

Eichinger: Damals war Deutschland spannender, lebendiger, politischer. Heute spürt man eine große Lähmung. Für mich persönlich war Christiane F. ein schwieriger Film. Auf der Pressekonferenz damals in Berlin wurde ich böse beschimpft, jetzt mache der Eichinger auch noch Geld mit dem Schicksal von Drogenabhängigen. Oder es hieß: So darf man Heroinabhängige nicht zeigen. Berlin war lange Feindesland für mich. Die politisch Korrekten mochten mich nie. Da sehe ich eine Parallele zum Untergang: Heute heißt es, so darf man doch den Hitler nicht zeigen.

 

ZEIT: Sind Sie ein Linker?

Eichinger: Ein linker Liberaler. So wie Rudolf Augstein einer war.

ZEIT: Ihr Lieblingsfilm?

Eichinger: Ich liebe das narrative Kino, die großen Epen. Es gibt natürlich viele Lieblingsfilme, aber einer der ganz großen stammt von Jean-Luc Godard. Kühn gemacht, Außer Atem heißt der Film.

 
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