Eichinger im Archiv-Interview "Ich spiele selten die letzte Karte"Seite 12/12
ZEIT: Wären Sie gern ein Genie wie vielleicht Orson Welles?
Eichinger: Der Begriff Genie … ich weiß nicht. Man sollte mit solchen Begriffen sorgsam umgehen.
ZEIT: Sie schwärmen für Maria Callas.
Eichinger: Sie ist meine absolute Göttin. Das ist die Jahrhundertstimme. Dazu kommt die Person, die Lebensgeschichte, das gehört alles zusammen. Was wir vorhin über Schauspielerinnen gesagt haben, stimmt bei Sängern natürlich auch. Du kannst nur interpretieren, was tief in dir drinnen ist. Maria Callas war eine tief emotionale, dramatische Person mit einem, oberflächlich gesehen, unglücklichen Leben. Diese Frau bedeutet mir sehr viel. Ich kann das nicht genau beschreiben.
ZEIT: Herr Eichinger, 1981 brachten Sie in Berlin den Film Christiane F.: Wir Kinder vom Bahnhof Zoo heraus. 23 Jahre später, 2004, kam Der Untergang: Können Sie das Deutschland von damals mit dem von heute vergleichen?
Eichinger: Damals war Deutschland spannender, lebendiger, politischer. Heute spürt man eine große Lähmung. Für mich persönlich war Christiane F. ein schwieriger Film. Auf der Pressekonferenz damals in Berlin wurde ich böse beschimpft, jetzt mache der Eichinger auch noch Geld mit dem Schicksal von Drogenabhängigen. Oder es hieß: So darf man Heroinabhängige nicht zeigen. Berlin war lange Feindesland für mich. Die politisch Korrekten mochten mich nie. Da sehe ich eine Parallele zum Untergang: Heute heißt es, so darf man doch den Hitler nicht zeigen.
ZEIT: Sind Sie ein Linker?
Eichinger: Ein linker Liberaler. So wie Rudolf Augstein einer war.
ZEIT: Ihr Lieblingsfilm?
Eichinger: Ich liebe das narrative Kino, die großen Epen. Es gibt natürlich viele Lieblingsfilme, aber einer der ganz großen stammt von Jean-Luc Godard. Kühn gemacht, Außer Atem heißt der Film.
- Datum 20.01.2005 - 13:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 20.01.2005 Nr.4
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