Eichinger im Archiv-Interview "Ich spiele selten die letzte Karte"Seite 9/12
Eichinger: Das Scheitern genießen? Um Gottes willen, nein. Dieser Gedanke ist absurd. Aber ich kenne gut das Gefühl von Rückschlägen, viel häufiger, als je davon in der Öffentlichkeit bekannt wurde. Das reicht mir völlig.
ZEIT: Hilft die Erfahrung, es doch immer wieder hinbekommen zu haben?
Eichinger: Nein, eher im Gegenteil. Es heißt doch schnell, ja, früher war er gut, aber jetzt hat er die Magie verloren. Seine Zeit ist vorbei. Diese Haltung ist ja auch verständlich. Man ist immer so gut wie sein letzter Film.
ZEIT: Sie haben gegen Ende der neunziger Jahre die Hysterie des Neuen Marktes erlebt. Ihre Constantin Film wurde zu einer Aktiengesellschaft, landete an der Börse, mit zuweilen schillernden Partnern wie Leo Kirch und Herrn Haffa.
Eichinger: Ich habe diese Zeit nicht als zynisches Geldmachen verstanden, sondern als eine Chance. Dieses Umwandeln der Firma in eine neue Gesellschaftsform war im Prinzip richtig, auch wenn wir harte Zeiten durchleben mussten.
ZEIT: Haben Sie auch selber mit Aktien spekuliert?
Eichinger: Nein, das ist überhaupt nicht meine Welt. Aber ich war natürlich betroffen, als der Aktienwert unserer Firma sank, als alles andere niederbrach. Die Anleger waren vom Neuen Markt enttäuscht und hatten sich kollektiv von den Medienwerten zurückgezogen.
ZEIT: Erinnern Sie sich noch an die erste Begegnung mit Leo Kirch?
Eichinger: Er war damals schon eine Legende. Er strahlt eine unwahrscheinlich unternehmerische Lust und Power aus. Wie ich ihn erlebt habe, ist Kirch mit Leib und Seele Händler, er muss einfach Geschäfte machen, und dies auf eine durchaus kreative Weise. Ich mag solche Menschen. Leo Kirch kann man am besten mit seinen eigenen Worten beschreiben. Er wurde einmal gefragt, was sein größter Wunsch sei. Da antwortete er: Ein Monopol. Das ist nicht uncharmant. Aber wissen Sie, ich fühle mich gar nicht berufen, über ihn zu sprechen. Das kann der Leo schon selbst.
ZEIT: Als er Ihnen damals das Du angeboten hat, war das ein besonderer Moment?
Eichinger: Ja. Ich habe mich gefreut. Wirklich. Dieser Mann hat Charisma. Aber jeder, der sich mit ihm einlässt, muss wissen, mit wem er es da zu tun hat.
ZEIT: Wie meinen Sie das?
Eichinger: Na, ich würde sagen, man muss wissen, dass man sich mit einem Bären ins Bett legt. Wenn der rüberrollt, sind Sie platt.
ZEIT: Sehen Sie sich heute noch?
- Datum 20.01.2005 - 13:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 20.01.2005 Nr.4
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