neobiota »Elch und Bär stehen vor der Tür«Seite 3/3

Vogtmann: Die Risikoabschätzung ist bei GVOs berechtigtermaßen aufwändiger und vorsichtiger, da die Auswirkungen der neuen Gene im Ökosystem kaum einschätzbar sind. Bei Neobiota liegen zumindest Erfahrungen aus deren Heimatregionen vor, eventuell auch aus Deutschland, etwa aus botanischen Gärten oder Zoos. Jahrhundertelange Erfahrungen mit neuen Arten zeigen, dass die meisten unproblematisch sind. Dies heißt aber nicht, dass Vorsorge unbegründet ist.

ZEIT: Die Zahl der Tierarten in Deutschland ist in 20 Jahren um 4000 auf 48000 gestiegen. Wie passt dies zu Warnungen, die Vielfalt sei bedroht?

Anzeige

Vogtmann: Der Zuwachs beruht auf mehreren Faktoren: erstens auf einer größeren Genauigkeit bei der Erhebung im Vergleich zu früher. Zweitens auf neu beschriebenen und eingewanderten Arten. Drittens auf der wissenschaftlichen Aufspaltung bereits bekannter Arten. Dennoch ist die Artenvielfalt in Deutschland bedroht, weil die Bestände vieler Arten dramatisch zurückgehen und damit auch die innerartliche, genetische Vielfalt.

interview: Hans Schuh

Das Positionspapier zu gebietsfremden Arten ist kostenlos erhältlich als »BfN-Skript 128« beim Bundesamt für Naturschutz in Bonn; Tel. 0228/8491-107; E-Mail: neobiota@bfn.de

Hartmut Vogtmann ist Deutschlands mächtigster Naturschützer. Seine 340 Mitarbeiter in Bonn, Leipzig und auf Vilm bei Rügen überwachen internationale Abkommen, erstellen Rote Listen, beraten Regierende in Bund und Ländern, fördern Forschungen und konkrete Schutzprojekte

 
Service