neobiota Die neuen Wilden

Wandern nach Deutschland

Die Gletscher der Eiszeit hatten die meisten Arten weggehobelt und eine Einöde in Nordeuropa hinterlassen. Mit der Erwärmung kehrten viele Tiere und Pflanzen zurück, Deutschland ist seitdem Einwanderungsland. Dabei halfen und helfen die Menschen als Ackerbauern, Viehzüchter, Jäger und Gärtner tüchtig mit. So kam auch der bis zu einem Kilo schwere Ochsenfrosch (oben) via Italien und Frankreich an den Rhein. Leckermäuler hatten sich von seiner Zucht kräftigere Froschschenkel versprochen. Nun ärgert er deutsche Umweltschützer, weil er Amphibien frisst.

Da die meisten Wesen Wärme lieben, fördert auch der Klimawandel den Zustrom neuer Arten oder die Rückkehr von alten Bekannten. Seit 1990 brütet einer der schönsten Vögel, der bunte und wärmeliebende Bienenfresser (unten) wieder in Deutschland. In Europa lebt er sonst vor allem in Spanien, Portugal oder auf dem Balkan. Aber auch Libellen aus dem mediterranen Raum wie der Südliche Blaupfeil, die Südliche Binsenjungfer oder die Frühe Heidelibelle tauchen zunehmend bei uns auf, ebenso Insekten wie der Mückenhaft. Und mehrere Fischarten in Nord- und Ostsee schwammen im Wärmestrom herbei.

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Die Arbeitsgruppe des Rostocker Zoologen Ragnar Kinzelbach hat rund 1500 neue Tierarten (Neozoen) in Deutschland registriert. Als »neu« gelten Arten, die seit 1492 hierzulande erstmals aufgetaucht sind. Das willkürlich festgelegte Stichjahr orientiert sich an der Entdeckung Amerikas. Der rege Verkehr und Handel mit der Neuen Welt brachte zahlreiche neue Arten nach Europa, neben vielen wertvollen Pflanzen wie Kartoffeln und Mais auch fatale Parasiten wie Reblaus, Kartoffelkäfer oder Mehltau. Auch hat der intensivierte Warenaustausch nach der deutschen Wiedervereinigung einen Schub neuer Arten, vor allem Pflanzen, nach Ostdeutschland gebracht.

Als Zierpflanzen wurden der Riesenbärenklau und die kanadische Goldrute eingeführt. Doch beide Arten entpuppten sich als invasiv und werden vielerorts bekämpft. Gegen den Bärenklau mussten sogar Flammenwerfer herhalten, weil sein Saft gravierende Hautverbrennungen hervorrufen kann.

Fachleute wie Kinzelbach oder der Münchner Zoologe Josef Reichholf mahnen zu gelassenem Umgang mit neuen Arten. Meist sind sie harmlos. Und wenn sie Schäden verursachen, dann verblassen diese im Vergleich mit jenen, die heimische Rehe oder Wildschweine hervorrufen.

 
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