Schon Wilhelm Busch dichtete: "Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr." Ein Chor leidgeprüfter Männer würde heute gerne hinzufügen: "Vater sein zu dürfen dagegen sehr." In der Tat machen es Ämter und Gerichte manchem gutwilligen Mann schwer, nach der Trennung oder Scheidung seine Vaterpflichten wahrzunehmen. Meterhohe Aktenberge zeugen von hässlichen, jahrelangen Auseinandersetzungen um Sorge- und Umgangsrecht.

Diese Wirklichkeit verdeckt aber die andere, weitaus größere dunkle Seite: Väter, die sich vor Unterhaltszahlungen für ihre Kinder drücken oder alles Erdenkliche tun, um diesen Anspruch klein zu halten. Väter, die sich trotz Sorge- oder Umgangsrechts einen Teufel um ihre Kinder scheren und die Mütter mit deren täglichen Sorgen allein lassen.

Am Anfang, als das Bürgerliche Gesetzbuch am 1. Januar 1900 in Kraft trat, hatte der Ehemann alle Macht. Die Mutter war nicht zur rechtlichen Vertretung des Kindes berechtigt und auf die tatsächliche Personensorge beschränkt. Das änderte sich grundsätzlich unter der Herrschaft des Grundgesetzes nach 1949. Erst 1958 trat das Gesetz über die Gleichberechtigung von Mann und Frau in Kraft, das aber die gesetzliche Vertretung beim Vater beließ. 1976 folgte das neue Ehescheidungsrecht, das mit dem Schuldprinzip aufräumte und erstmals festlegte, dass beide Ehegatten – also auch die Frau – ein Recht auf Erwerbstätigkeit haben.

1982 entschied das Bundesverfassungsgericht, dass die stete Übertragung des Sorgerechts auf nur einen Elternteil (in der Praxis fast ausnahmslos auf die Mutter) gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz und das Elternrecht verstößt. Seit der großen Kindschaftsreform von 1998 sind beide eheliche Eltern gleichmäßig sorgeberechtigt und bleiben dies grundsätzlich auch nach Trennung oder Scheidung. Das Kind hat ein Recht auf Umgang mit Mutter und Vater. Die Eltern haben nach dem Gesetz alles zu unterlassen, was die Beziehung des Kindes zum jeweils anderen Elternteil beeinträchtigt.

Auch wenn er sich noch weit mehr Rechte wünschte – selbst der Vater nichtehelicher Kinder hat seine Position verbessert. Früher durfte er nichts und galt lange Zeit nicht einmal als verwandt. Heute kann er, wenn die Mutter zustimmt, Inhaber der elterlichen Sorge werden. Und selbst wenn diese Vereinbarung unterbleibt, hat er zwar nach der Trennung immer noch keinen Anspruch auf gemeinsame Sorge, aber zumindest auf Umgang mit Tochter und Sohn – es sei denn, das Kindeswohl steht dem entgegen.

Martin Klingst