Das Bundesverfassungsgericht hat am Mittwoch gesprochen und für eine wichtige Reform die Bahn frei gemacht: Die Bundesländer dürfen künftig Studiengebühren erheben, das bundesgesetzliche Verbot ist nichtig. Schon bald könnte damit für viele Studenten zur Pflicht werden, was außerhalb von Deutschland üblich ist – für die eigene Ausbildung zu zahlen. Lange Zeit waren Studiengebühren tabu, bei Konservativen wie bei Sozialdemokraten, Professoren wie Studenten. Doch diese Einheitsfront ist längst zerbrochen. Zuletzt wollte noch Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn das kostenfreie Studium per Gesetz festschreiben. Ihr Versuch ist dank der Richter in Karlsruhe gescheitert.

Das Urteil erlaubt nun mehr Wettbewerb zwischen den Hochschulen und verschafft ihnen eine dringend benötigte Einnahmequelle. Rund drei Milliarden Euro fehlen den Universitäten jedes Jahr für die Renovierung ihrer Gebäude und Labore, für den Kauf von Büchern und dafür, die Lehre zu verbessern. Einem Professor sitzen im Hörsaal heute fast doppelt so viele Hochschüler gegenüber wie 1970; die Zahl der Studenten ist in den vergangenen drei Jahrzehnten stetig gestiegen, aber nicht das Budget der Universitäten. Angesichts leerer Kassen kann der Staat allein das Geld nicht aufbringen. Abhilfe wäre möglich. Was lange Zeit niemand wahrhaben wollte: Gerade in der Hochschulbildung ließen sich die finanziellen Lasten zwischen dem Einzelnen und der Gemeinschaft mit guten Gründen neu verteilen – zum Wohle aller.

Es wäre nur gerecht, wenn die Nutznießer von Lehre und Forschung sich auch an den Kosten beteiligten. Denn Akademiker können auf viele Vorteile blicken: Als Studenten genießen sie eine verlängerte Jugend, als Berufstätige ein höheres Prestige. Sie verdienen mehr Geld und werden nur halb so oft arbeitslos wie Nichtakademiker. Selbst wenn man berücksichtigt, dass Hochschulabsolventen später zumeist höhere Steuern als andere entrichten, zahlen sie damit den Preis ihres Studiums niemals voll zurück.

Bislang ist das Bewusstsein für den Wert und die Kosten einer akademischen Ausbildung nur schwach ausgeprägt. Weder haben die Studenten Anlass, zügig zum Abschluss zu kommen, noch nützt es den Hochschulen, sie dabei zu unterstützen. Studiengebühren könnten daran etwas ändern.

Dafür ist nun einiges zu tun: So richtig es war, das Verbot zu kippen, so wichtig ist es jetzt, die Gebührenskala sozialverträglich zu gestalten und sicherzustellen, dass allein die Hochschulen vom zusätzlichen Geld profitieren.

Sozialverträglich – das heißt zum Beispiel: Der Staat muss es den Studenten erlauben, die Gebühren erst nach dem Examen zu zahlen. Denn nicht jeder kann oder will das Geld während seiner Ausbildung aufbringen. Mit zinsgünstigen Darlehen könnte der Obolus vorgeschossen werden. Dieses Modell »nachlaufender« Gebühren hat sich im Ausland bewährt; etwa in Australien, das vielen Gebührenanhängern als Vorbild dient. Zudem mildert es den Abschreckungseffekt von Studienbeiträgen – auch wenn die jetzt diskutierte Summe von 1000 Euro pro Jahr nicht viel höher ist als eine studentische Handyrechnung in der gleichen Zeit.

Wer Kindern aus ärmeren Familien bessere Chancen auf ein Studium geben will, muss damit früh beginnen, im Kindergarten, in der Grundschule; überdies sollte die allzu strenge Gliederung unseres Schulsystems entschärft werden. Das Land kann auf keinen bildungshungrigen Jugendlichen verzichten. Der Nachwuchs für die Unis wächst von unten, er muss gefördert werden, damit es oben gerechter zugeht.