weltwirtschaft: spezial wachstum Kriege, Krisen, Kranke

Von der Globalisierung profitieren die wenigsten, der Masse der Bevölkerung bringt sie neues Elend. Überall in Afrika fehlt die erste Voraussetzung für Wohlstand: Ein funktionierender Staat

Ausgerechnet Mauritius und Botswana. Eine Insel im Indischen Ozean und ein dünn besiedelter Flächenstaat mit enormen Bodenschätzen. Das sind die Vorzeigestaaten Afrikas. Sie zeigen, dass es in diesem Erdteil erfolgreiche Volkswirtschaften geben kann. Dahinter kommen nicht mehr viele Länder, die Seychellen, Uganda, mit Abstrichen Ghana und Namibia. Und natürlich Südafrika, das einzige Schwellenland südlich der Sahara. Inseln der Hoffnung im afrikanischen Meer der Krisen und Katastrophen.


          Durst als Lebensgefühl: Von den
          
          der Erde liegen 33 in Afrika

Durst als Lebensgefühl: Von den der Erde liegen 33 in Afrika

Von den 49 ärmsten Staaten der Erde liegen 33 in Afrika. Im vergangenen Herbst schlug das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) wieder Alarm: Nie waren so viele Afrikaner von Hungersnöten bedroht wie heute. Die durchschnittliche Lebenserwartung ist auf 46 Jahre gesunken. Aids – fast 30 Millionen Menschen haben sich angesteckt – dezimiert die ökonomisch besonders aktive Altersgruppe zwischen 15 und 49 Jahren. Dennoch wird sich die Bevölkerung, wie die Vereinten Nationen hochgerechnet haben, bis zum Jahr 2050 mehr als verdoppeln. 1,8 Milliarden Menschen werden dann auf dem ärmsten Kontinent leben und sich die Ressourcen teilen, die heute schon knapp sind.

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Ökonomisch spielen die Länder südlich der Sahara so gut wie keine Rolle mehr, ihr Anteil am Welthandel liegt unter zwei Prozent. Einen Wirtschaftsstandort Afrika gibt es eigentlich gar nicht. Der Schweizer Soziologe Jean Ziegler hat dafür eine treffende Metapher geprägt: Der Kontinent sei »wie ein Floß in der Nacht« – er treibe ziellos dahin und verschwinde allmählich vom Radarschirm der Welt.

Aber die Globalisierung? Was ist mit dem vermeintlichen Wachstumsmotor unserer Zeit? Hat sie nicht auch Afrika Nutzen gebracht?

Die Frage ist falsch gestellt. Sie müsste lauten: Warum ist die Globalisierung nahezu nirgends südlich der Sahara angekommen? Zwar sieht man auch in den Slums von Abidjan die Jugend mit Handys telefonieren, im entlegensten Urwalddorf ertönt die Schnulze aus dem Titanic- Film, und selbst in der Trümmerstadt Mogadischu eröffnen Internet-Cafés. Dennoch bleibt Afrika marginalisiert. Es hat den Anschluss an die moderne Welt verloren. Tokyo hat angeblich mehr Telefonanschlüsse als der gesamte schwarze Erdteil.

Manche Teile Afrikas sind heute gewissermaßen in die Unentdecktheit zurückgesunken. Der K-Kontinent – K für Kriege, Krisen, Katastrophen, Korruption, Kriminalität, Kapitalflucht, Krankheit – erfülle »nicht die Voraussetzungen, um an der Globalisierung teilzunehmen, von ihr zu profitieren oder sie aktiv mitzugestalten«, befindet der Politologe Siegmar Schmidt von der Universität Koblenz-Landau. Eine unsichere politische Lage, Missmanagement, Korruption, Mangel an qualifizierten Arbeitskräften, niedrige Produktivität, kleine, geschlossene Märkte, geringe Massenkaufkraft, miserable Infrastruktur, astronomische Transportkosten – wo solche Verhältnisse herrschen, lassen sich keine Investoren blicken.

Anarchie ersetzt das Recht, die Eliten plündern ihre eigenen Länder aus

In einigen afrikanischen Ländern existiert so gut wie kein Staatswesen mehr. In den meisten anderen plündern die herrschenden Eliten seine Ressourcen. Wie aber soll sich ein freier Markt entfalten, wenn Anarchie und Willkür herrschen, wenn Recht und Gesetze fehlen? Selbst der sonst so kapitalismusfreundliche amerikanische Politologe Francis Fukuyama räumt in seinem jüngsten Buch (Staaten bauen) ein, dass rechtsstaatliche Regeln wichtiger seien als freie Märkte – das Scheitern der USA beim Aufbau der Demokratie im Irak legt diesen Schluss nahe.

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