weltwirtschaft: spezial wachstum Kriege, Krisen, KrankeSeite 3/3

Und Südafrika – ist das nicht eine Erfolgsgeschichte der Globalisierung? Ein positives Beispiel, das im Gegensatz zu den beiden Kleinstaaten Botswana und Mauritius wirklich ins Gewicht fällt?

Tatsächlich hat die Kaprepublik nach dem Ende der Apartheid einen Modernisierungssprung vollbracht, den ihr niemand zugetraut hätte. In den vergangenen zehn Jahren legte die Wirtschaft um durchschnittlich 2,7 Prozent pro Jahr zu, sie zählte in einer Phase weltweiter Rezession zu den erfolgreichsten emerging economies . Die Produktivität wächst doppelt so schnell wie in den USA. Die Exporte steigen, die Inflationsrate ist so niedrig wie seit den sechziger Jahren nicht mehr. Der Rand zählt zu den härtesten Währungen der Welt – er hat seit 2002 gegenüber dem Dollar 90 Prozent an Wert gewonnen. Die Steuern wurden gesenkt, die Ausgaben für Gesundheit, Bildung und Soziales erhöht, die Bürger erhalten mehr Rente, mehr Kindergeld.

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»Es läuft hervorragend. Wir haben Rekordumsätze«, sagt der Chef eines deutschen Konzerns im privaten Gespräch. Die Industriekapitäne applaudieren Präsident Thabo Mbeki und Finanzminister Trevor Manuel, weil sie sich zu eifrigen Globalisierern gemausert haben. Auch die Weltbank zählt die Südafrikaner zu ihren Musterschülern. Sie öffnen ihren Markt, liberalisieren und privatisieren, deregulieren und modernisieren. Die Wirtschaft wächst, es geht bergauf.

Nur eines funktioniert nicht: die Umverteilung, das versprochene bessere Leben für Millionen. Die unteren Schichten profitieren nicht von der Wachstumsdividende. Im Gegenteil: Das neue Südafrika, gerade einmal zehn Jahre alt, hat eine Million Arbeitsplätze verloren. Die Gewerkschaften sprechen nicht mehr von jobless growth, sondern von job destroying growth, von einem Wachstum, das Jobs vernichtet. Die offizielle Arbeitslosenrate schnellte von 19 auf schwindelerregende 30 Prozent hoch; inoffiziell liegt sie weit über 40 Prozent.

Im Frühjahr 2003 veröffentlichte der südafrikanische Ökonom Sampie Terreblanche ein Buch, das die Regierung erboste. Schon der Titel, Eine Geschichte der Ungleichheit in Südafrika, 1652–2002, machte die Stoßrichtung klar. Er besagt, dass die Ausbeutung der schwarzen Bevölkerung, die mit der Landung der Europäer begann, auch nach dem Wendejahr 1994 weitergegangen sei. Die ärmsten 50 Prozent der Südafrikaner seien durch die Politik der (schwarzen) Regierung systematisch ausgeschlossen worden, behauptet der Autor. Diese Regierung fördere den ungezügelten Kapitalismus, der dem Land nach 350 Jahren Kolonialismus nicht angemessen sei. Südafrika, Afrika, alle Entwicklungsregionen würden mit einer »schonungslosen Propaganda« über die Segnungen der Globalisierung bombardiert. Aber Milliarden von Menschen im armen Süden spürten nichts von diesen Segnungen.

Mittlerweile beginnen selbst die Kommentatoren des konservativen Wirtschaftsblattes Business Day am Allheilmittel Globalisierung zu zweifeln: Man müsse sich allmählich fragen, war jetzt zu lesen, ob die Wohlstandsrezepte des reichen Nordens womöglich nur für den Norden gemacht sind.

Oder für die wenigen Reichen im armen Süden. Denn die Früchte der Globalisierung kommen in Südafrika zwar nicht der breiten Bevölkerung, wohl aber einer dünnen Upperclass zugute. Die Zahl der Millionäre und Milliardäre jedenfalls ist seit dem Ende der Apartheid sprunghaft gestiegen.

 
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