DIE ZEIT: Lord Ralf Dahrendorf als Forschungsprofessor am Wissenschaftszentrum Berlin: Ist das auch eine kleine Rückkehr?

Ralf Dahrendorf: Berlin ist die Stadt, in der ich groß geworden bin. Sie repräsentiert das lebendige gegenwärtige Deutschland. Sie ist bei Londonern sehr beliebt, auch bei Leuten aus Paris oder Rom. Für die, die hierher kommen, besonders für die Ausländer, ist Berlin wirklich eine Metropole. Für die Einheimischen ist es keine, die scheinen das gar nicht zu sehen. Und das Wissenschaftszentrum für Sozialwissenschaften – das führt mich zurück zu meinen intellektuellen Anfängen. Insoweit ist es sicherlich eine kleine Rückkehr, ohne dass ich mich aus London verabschiede.

ZEIT: Eine Rückkehr nur nach Berlin oder auch nach Deutschland?

Dahrendorf: Schwer zu sagen. Auch in England habe ich das Gefühl, Engländer bin ich nicht, aber Londoner bin ich mit Sicherheit. Der Ort ist für mich wichtiger als das Land.

ZEIT: Haben Sie Identitätssehnsüchte?

Dahrendorf: Nein. Ich lebe sehr gerne mit meinen multiplen Identitäten.

ZEIT: Können Sie mit dem Begriff "Berliner Republik" etwas anfangen?