Nusik Musik ist immer BekenntnisSeite 2/2
Metzmacher kann von Resistenza-Kämpfer Nono aus eine direkte Linie zum inneren Emigranten Hartmann ziehen: »Er hat in den dunkelsten Jahren unserer Geschichte die Werte der großen deutschen Musiktradition hochgehalten und so für die Nachkommen bewahrt.« Der Satz könnte allerdings auch von Thielemann sein. Für Metzmacher war Hartmann indes eine Initiation nicht nur wegen dessen kreatürlicher Expressivität. Hartmann habe ihm ermöglicht, sich in einer Zeit als Deutscher zu definieren, in der man deswegen noch ziemlich beargwöhnt wurde.
John Cage ging wie ein Heiliger durch die Welt
Schließlich John Cage. »Er ging wie ein Heiliger durch die Welt und ließ sich nicht beirren.« Von ihm lernt Metzmacher, immer wieder bei null anzufangen, die Schönheiten wahrzunehmen, »die alle schon da sind«.
Mit Stockhausen hätte es noch schöner werden können. Nach zahlreichen gemeinsamen Projekten wollte der Meister von Metzmacher eine Entscheidung für sein Werk. »Das sei im Grunde wie heiraten.« Metzmacher wollte nicht, er sah in Stockhausens mikroskopisch durchgestalteten Partituren auch keine gestalterischen Möglichkeiten für einen Dirigenten seines Formats. »Ein Dirigent, wenn überhaupt, wird nur noch zur Koordination gebraucht.« Diese Art Gefolgschaft war nicht sein »Ding«, wie man etwas salopp formulieren könnte.
Metzmacher schickt sich an, als Katalysator zeitgenössischer Musik das Erbe von Hermann Scherchen, dem Mentor Hartmanns, und Michael Gielen zu übernehmen. Dann wäre er in seiner Reise in die Welt der Musik angekommen. Das Logbuch liegt schon vor.
Keine Angst vor neuen TönenEine Reise in die Welt der MusikIngo MetzmacherSachbuchBuchRowohlt Berlin Verlag2005Berlin16,90190- Datum 27.01.2005 - 13:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 27.01.2005 Nr.5
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