Ich habe einen Traum

Cate Blanchett, 35, Schauspielerin, ging nach ihrer Ausbildung am National Institute of Dramatic Art in Sydney zum Theater. 1996 hatte sie ihr Kinodebüt mit dem Film »Paradise Road«. Der internationale Durchbruch gelang ihr in Shekhar Kapurs Historiendrama »Elizabeth«. Jetzt spielt sie in Martin Scorseses »Aviator« die Rolle der Katharine Hepburn. Cate Blanchett, hier fotografiert im Berliner Hotel Ritz-Carlton, lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in Großbritannien. Sie träumt von einem für sie magischen Ort, dem Theater»Unter die Haut einer Figur zu schlüpfen ist eine Sache, die süchtig macht. In höchstem Maße furchterregend – aber zugleich auch sehr erfrischend«

Dass ich Schauspielerin wurde, war keine bewusste Entscheidung. Ich kenne viele, die es schon immer werden wollten. Die nie etwas anderes wollten, als Filme zu machen. Ich habe eine eher schwebende Beziehung zum Film. Ich hatte immer das Gefühl, dass es auch noch andere, wichtigere Dinge zu tun gibt.

Meine erste Begegnung mit einer Filmkamera hatte ich in Ägypten. Ich war 18 Jahre alt. Nach dem ersten Jahr an der Universität hatte ich mir ein Jahr lang frei genommen und reiste mit dem Rucksack durch die Welt.

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In einem Hotel in Kairo fragte ein Typ aus Schottland herum: »Will sich jemand fünf Pfund verdienen?« Ich fragte: »Was muss ich tun?« Er sagte: »Als Statistin in einem Boxfilm spielen.« Fünf Ägyptische Pfund. Das bedeutete: Ich konnte eine Woche länger bleiben. Ich sagte: »Okay.« Selten habe ich mich so gelangweilt.

Die ersten zwei Stunden vergingen noch einigermaßen unterhaltsam. Der Regisseur hatte statt eines Megafons eine riesige Tüte, in die er hineinsprach, wie in den zwanziger Jahren. An der Seite stand darauf geschrieben: »Regisseur«. Auf Englisch. Es war ein ägyptischer Film.

Eine dänische Boxerin, eine vollkommen verrückte Frau, spielte die weibliche Hauptrolle. Die männliche Hauptrolle hatte ein Ägypter mit einer blonden Perücke, der einen amerikanischen Boxer darstellte. Ich spielte ein amerikanisches Cheerleader-Girl. Es war eine Massenszene. Wenn der männliche Hauptdarsteller, also der »amerikanische« Boxer, seinen Gegner schlug, mussten wir jubeln. Das Team behandelte uns schlecht, sie schrien uns an.

Mein Gefühl sagte schon damals nicht: »Das ist deine Chance.« Der Film ist für mich nicht das Paradies. Ich bin gelernte Bühnenschauspielerin. Weder damals noch später, während meiner Ausbildung, hätte ich mir vorgestellt, Filme zu machen. Als ich 22, 23 war, wurde alles um mich herum nervös: »Du musst einen Film machen. Die Zeit läuft dir davon.« Das sagten sie einer 23-Jährigen! Ich spielte damals mit der Sydney Theatre Company. Ich war glücklich mit Shakespeare und Tschechow. Letztes Jahr habe ich in Henrik Ibsens Hedda Gabler in Sydney gespielt. Mein Mann ist Schriftsteller. Ich liebe das Spielerische im Film. Aber mein Herz gehört der Bühne.

Manchmal, wenn ich tief in eine Rolle eingedrungen bin, ist es für mich so, als wachte ich mitten in der Nacht auf. Halb wach, halb schlafend. Man weiß nicht genau, wer und wo man ist. Ob man bei Bewusstsein ist oder nicht. Genau diesen Bereich muss man betreten, wenn man spielt. Auf der einen Seite bist du dir aller technischen Anforderungen bewusst, aber gleichzeitig befindest du dich in einer anderen Zone, wo sich alles in vagen Andeutungen abspielt, wo du auf kleinste Einflüsse reagieren kannst. In diesem Zustand spüre ich: Es ist meine Berufung.

Anfangs versuchte ich noch, ihr zu entkommen. Ich studierte Architektur und Wirtschaftswissenschaften, wollte Kuratorin werden. Ich habe den Abschluss nicht mehr gemacht.

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