Überwintern unter Palmen

Reiseveranstalter entdecken Langzeiturlauber. Die zahlungskräftige Klientel will mehr als Sonne, Sand und Meer von Fabian von Poser

Dem Winter für ein paar Wochen entkommen und unter Gleichgesinnten die südliche Sonne genießen - das wünschen sich vor allem viele ältere Menschen. Längst hat die Reiseindustrie dies erkannt und offeriert Langzeiturlaubern immer vielfältigere Angebote. Aus gutem Grund. Schließlich lassen sich mit den Dauergästen leer stehende Hotels füllen. Und außerdem gilt der Kunde über 50, der werbewirksam als Best Ager oder Golden Customer bezeichnet wird, als äußerst zahlungskräftig. Laut einer Untersuchung des Statistischen Bundesamts befindet sich rund die Hälfte des Vermögens der Deutschen in den Händen dieser Generation. Schon jetzt sind mehr als 29 Millionen Menschen über 50 Jahre alt, 2010 soll es gar jeder zweite Konsument sein.

Die Entwicklung schlägt sich auch in den Reiseunternehmen nieder: Bereits seit Jahren steigen die Gästezahlen im Bereich Langzeiturlaub. Neckermann verzeichnet in der laufenden Wintersaison ein Plus im mittleren einstelligen Bereich, FTI registriert leicht ansteigende Buchungszahlen. Der demografische Wandel ist in vollem Gange, in den kommenden Jahren werden die geburtenstarken Jahrgänge zur 50plus-Generation gehören. Allerdings sagt das Alter allein mittlerweile kaum noch etwas über den Kunden aus. Früher assoziierte man Seniorenteller und Butterfahrten mit den Reisegewohnheiten der Älteren. Heute sehen die Erwartungen und Aktivitäten der über 50-Jährigen ganz anders aus, sagt Andreas Casdorff, Leiter der Abteilung Produktlinienmanagement und Entwicklung bei TUI. Die Zeit, da sich alle nur Sonne und Meer wünschten, sei längst passé. Im Gegenteil, die 50plus-Generation habe ganz unterschiedliche Wünsche - vom Abenteuerurlaub bis hin zur Luxusreise. Zwar sind sich die TUI-Experten noch nicht genau darüber im Klaren, wie die wachsende Klientel gut situierter, älterer Konsumenten in Zukunft verreisen wird. Fest steht für die Veranstalter jedoch: Sie müssen stärker auf die individuellen Kundenbedürfnisse eingehen, wenn sie weiter erfolgreich sein wollen.

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Um den Best Agern einen möglichst maßgeschneiderten Urlaub zu bieten, setzte der Branchenprimus TUI mit der Einführung des Animationsprogramms Club Elan im Winter 2003/04 ein Signal und erhöhte die Zahl seiner Clubhotels in diesem Winter von drei auf zehn. Ganz neu sind zum Beispiel die Häuser Hipocampo Playa auf Mallorca, Riu Palmeras auf Gran Canaria und Rixos Beldibi in der Türkei. Das differenzierte Veranstaltungsangebot reicht von Spaziergängen und Spielabenden über Gesundheitschecks bis hin zu Internet-Schnupperkursen und dem Trendsport Nordic Walking.

Abgesehen von den Clubprogrammen, haben Veranstalter die gesamte Angebotspalette für Langzeiturlauber erweitert. So bietet TUI in diesem Winter insgesamt 15 Destinationen an. Neben den Dauerbrennern Mallorca, Türkei und Tunesien wurden Ägypten und Marokko in die Kataloge aufgenommen.

Alltours wirbt erstmals mit La Palma, Neckermann mit La Gomera. Der Wettbewerber FTI will verstärkt Kalabrien als Ziel für Langzeiturlauber vermarkten. Schon im vergangenen Winter hatte das Münchner Unternehmen die klassische Sommerdestination an der Stiefelspitze Italiens zum Ganzjahresziel ausgerufen.

Und die Preise für den Winter unter Palmen? Zum Beispiel 1074 Euro für sechs Wochen Side (Türkei). So viel kostet ein Aufenthalt im 4,5-Sterne-Hotel Barut Arum bei TUI pro Person - Flug, Halbpension und Club-Elan-Programm inklusive.

Ab 579 Euro mit Flug und Halbpension verlangt Neckermann für dieselbe Zeit unter den 3,5 Sternen des Iberostar Sahara Beach (Monastir/Tunesien).

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