ZEIT: ... auch die Vergangenheit mit sich herumschleppt.

BILLER: Genau. Und nichts ist schwieriger, als in einem Land zu leben, in dem man nicht zur verwurzelten Majorität gehört. Ich bin mit zehn Jahren nach Deutschland gekommen, und ich dachte, alle Menschen sind gleich. Damals gab es auch keine schwarzhaarigen Kinder in der Schule.

ZEIT: Die waren alle blond?

BILLER: Und wenn sie nicht blond waren in den Haaren, dann in der Seele. Ich habe Jahre gebraucht, bis ich gemerkt habe, die sehen in mir jemanden, der anders ist als sie. Später, als Journalist und Schriftsteller, habe ich gemerkt: Alles, was ich tue, wird betrachtet als das Werk des nicht genuinen Deutschen, im Guten wie im Schlechten.

ZEIT: Was ist denn ein genuiner Deutscher?

ALTARAS: Das weiß ich nicht so genau. Aber was du gesagt hast von dem Bild, das von einem gemacht wird, das stimmt. Nur ist das für alle Einwanderer so, nicht nur für jüdische.

ZEIT: Jeder wird erst einmal als Mitglied eines Kollektivs gesehen?