In der offiziellen Präsidentenresidenz in Jerusalem gab es am Dienstagabend Lachs, Rindfleisch, Lammkoteletts und Erdbeersorbet. Zur musikalischen Untermalung trugen vier junge Solistinnen aus Carmen und der Hochzeit des Figaro vor. Rund 200 Gäste waren zum Staatsbankett zu Ehren von Horst Köhler geladen worden. Der deutsche Präsident hatte selber gleich mehrere Dutzend Besucher mitgebracht. Eine so große Delegation, bemerkte ein israelische Diplomat, sei schon lange nicht mehr ins Land gekommen. So standen sie alle beim Aperitif eng gedrängt – Minister, Richter, Diplomaten, Industrielle, auch viele ehemalige Deutsche, wie zum Beispiel die Grande Dame des israelischen Theaters, Orna Porat. Sie stammt aus Köln. Die Atmosphäre war entspannt, wenn auch die Ansprachen auf das höchst komplexe Verhältnis zwischen den beiden Staaten eingingen.

Israels Präsident Moshe Katzav erinnerte an die Anfänge der diplomatischen Beziehungen vor vierzig Jahren, als sich David Ben Gurion und Konrad Adenauer erstmals die Hände gereicht hatten. Ein mutiger Akt von beiden Seiten, lobte er. Denn bis dahin sei Deutschland nicht bereit gewesen, sich mit der Vergangenheit auseinander zu setzen, und in Israel habe es heftigen Widerstand gegen die Aufnahme von offiziellen Beziehungen zum Land des Holocausts gegeben. Heute gebe es eine breite Palette von Kontakten auf wissenschaftlicher, wirtschaftlicher und kultureller Ebene.

Deutschland im Jahr 2005 sei nicht das Deutschland von früher, betonte Katzav. Aber „wir fürchten uns vor dem anwachsenden Rechtsextremismus und vor Antisemitismus, den es 60 Jahre nach dem Holocaust wieder gibt.“ Er sei sich sicher, dass die deutsche Demokratie mit diesen Gefahren umzugehen wissen und zitierte Gerhard Schröder: „Eine starke Demokratie kann nicht die Feinde von Demokratie und Toleranz tolerieren.“

Horst Köhler ging auf die besondere Bedeutung der Zahl 40 im Judentum ein und meinte, dass die deutsch-israelischen Beziehungen damit „ein biblisches Alter“ erreicht hätten. „Freundschaften und Partnerschaften sind seither entstanden. Wer hätte das damals glauben können!“ Er empfinde es aber nicht als selbstverständlich, dass er hier so warmherzig empfangen worden sei und man ihn als Freund bezeichnet habe.

Dann zählte er die vielen Bande auf, die heute beide Länder miteinander verknüpfen: Mehr als hundert Städtepartnerschaften, ein reger Jugendaustausch, gute Beziehungen zwischen Gewerkschaften und parlamentarischen Gruppen. „Die jungen Menschen werden bestimmen, wie es weitergeht“, fügte er hinzu. Deshalb müsse gerade in dieser Hinsicht viel Kontaktpflege betrieben werden.

Für die meisten Gäste waren solche Worte nicht neu. Eine gewisse Routine prägt längst die deutsch-israelischen Begegnungen, außerdem kennen sich viele Akteure schon lange. Ob das aber auch in Zukunft so bleiben mag? Die Frage nach veränderten Realitäten wird in Hintergrundgesprächen oft gestellt. „Vielleicht sind wir Israelis heute in dem Verhältnis sogar die offenere Seite,“ spekuliert laut ein junger Diplomat. Denn das Klima und Interesse gegenüber Israel habe sich in Deutschland in den letzten Jahren gewandelt.

Und nicht unbedingt zum Besseren, fügt er nachdenklich hinzu. Die jüngsten Ereignisse in Sachsen machten auch ihm Sorgen, gestand er ein, doch sei er zuversichtlich, dass das Deutschland von heute damit umzugehen wisse.