Die Verteilung der Einkommen in Deutschland ist in den letzten Jahren ungleicher geworden - die Wohlhabenden konnten noch mehr Wohlstand ansammeln, die Zahl der Armen nahm beträchtlich zu. Das gilt für den Osten wie den Westen der Republik, obwohl die Ungleichheit in den neuen Bundesländern deutlich geringer ist als in Westdeutschland. Diese Entwicklung haben jetzt Heinz-Herbert Noll und Stefan Weick vom Zentrum für Umfragen, Methoden und Analysen (Zuma) in Mannheim mit der bei den Nachbarn in der Europäischen Union verglichen. Das Ergebnis: Deutschland steht gut da. Unter den 15 EU-Mitgliedern des Jahres 2001 waren die Einkommen lediglich in Schweden, Finnland, Dänemark und Österreich gleichmäßiger verteilt. Am ausgeprägtesten war die Ungleichheit im Süden Europas sowie in Irland und Großbritannien.

Auch der Vergleich der Armutsquoten lässt, so die Autoren, die Lage in Deutschland in einem milderen Licht erscheinen. Als arm gelten alle Haushalte, denen höchstens 60 Prozent der Durchschnittseinkommen zur Verfügung stehen. Das waren 2003 in der Bundesrepublik 12,9 Prozent der Bevölkerung, mehr denn je seit der Wiedervereinigung. Doch der Vergleich zeigt: Nur in Schweden und Dänemark ist das Armutsniveau niedriger als hierzulande. Am höchsten ist es da, wo auch die Einkommen besonders ungleich verteilt sind: in Südeuropa, Irland und Großbritannien.