Auch Fingerabdrücke geben sehr viel Aufschluss über einen Menschen, darüber, wo er sich aufgehalten und was er getan hat. Deswegen dürfen auch sie nicht ohne weiteres allgemein genommen und gespeichert werden, wie es ja zum Beispiel Otto Schily fordert. Tatsächlich handelt es sich bei der Abnahme um einen ziemlich entwürdigenden Vorgang, der zudem unmissverständlich deutlich macht, dass der Staat einen seiner Bürger zu überwachen gedenkt.

Dass all diese Bedenken für den genetischen Fingerabdruck umso mehr gelten, braucht nicht extra betont zu werden. Es geht bereits recht weit, bei Straftätern und -verdächtigen solche Informationen zu speichern - das für unbescholtene Bürger zu fordern ist ein Zeichen für die Geringachtung von Menschen und ihrer Würde. Deswegen halte ich auch die grundsätzliche Idee der Speicherung biometrischer Daten in Pässen und ähnliche Anwandlungen hin zu einem Überwachungsstaat für verfehlt und gefährlich.

JAN LIPSIUS, BERLIN

Ich selbst würde bei den Chancen und Möglichkeiten, welche eine bundesweite Gendatei böte, sogar noch viel weiter gehen, als es derzeit angedacht zu sein scheint, und das sogar als Mitglied der SPD.

Ich wäre bereit zuzustimmen, dass nicht nur von allen Straftätern genetische Abdrücke erfasst und gespeichert würden, sondern letztendlich von allen Personen, die in der BRD ihren Wohnsitz haben. Man könnte damit direkt bei der Geburt eines Menschen beginnen.

Die zentrale Frage wäre doch, wie würde sich eine solche Gendatei auf die Entwicklung der Kriminalität auswirken, wenn jeder potenzielle Täter wüsste, dass seine genetischen Daten bereits gespeichert wären? Sollte dieses nicht eine weit größere Abschreckung vor Verbrechen darstellen als jede Androhung von Strafe? Ich denke ja. Die Gefahren, die durch Missbrauch einer solchen Datei drohen, ließen sich durch entsprechende Gesetze und Überwachung beherrschen, so meine Überzeugung.

HANS-HENDRIK EWERT, VILLINGEN