Während der Österreicher Benjamin Raich auf der "Stelvio"-Piste in Bormio zum Gewinn der Kombination fuhr, saß Titelverteidiger Bode Miller schon in seinem Wohnmobil und genehmigte sich ein Bier, vielleicht auch mehrere. Der US-Amerikaner scheiterte bereits in der Kombinationsabfahrt und musste sich noch vor dem anschließenden Slalom von seinem Traum verabschieden, alle WM-Rennen zu gewinnen. Als Miller kurz vor dem Ziel stürzte, lag er schon gute 30 Sekunden hinter der Bestzeit zurück und hatte doch für das Spektakel des Tages gesorgt. Nur knapp16 Sekunden, nachdem der 27-jährige noch selbstbewusst und siegeswillig das Starthäuschen wie ein Geschoss das Katapult verlassen hatte, verließ nach einem Sprung sein linker Ski die Bindung. Was Miller angefangen hatte, wollte er aber zuende bringen. So balancierte er bei über 80 Km/h einbeinig zwischen den Toren hindurch, zeitweise in der aerodynamischen Abfahrthocke als ginge es noch um den Sieg, bis ihm nach knapp eineinhalb Minuten die Kräfte verließen. Fraglich bleibt, wie nah er trotz seiner geschundenen Schenkel bei den nächsten Rennen an die gewünschte und notwendige Perfektion herankommt oder ob ihn der Spaß am Ende noch Siege kostet.Der Abfahrtslauf war für Miller alles andere als perfekt, was ihm seiner Philosophie nach mehr bedeutet hätte, als zu gewinnen. Genauso scheint es in seine Weltanschauung zu gehören, stets Spaß zu haben, auch wenn mal ein Ski wegfliegt, und auch wenn sein lasttragender rechter Oberschenkel den Spaß nicht bis zum Ende mitmachen wollte. Das Feierabendbierchen im Camper jedenfalls war wohl mehr Gewohnheit, als Frustbewältigung. Nahezu an die nicht nur von Miller angestrebte Perfektion kam der Österreicher Benjamin Raich heran, der nach der Abfahrt und zwei Slalomdurchgängen mit fast einer Sekunde Vorsprung vor dem Norweger Aksel Lund Svindal seine erste WM-Medaille überhaupt gewann. Und nicht nur ein guter Skifahrer ist er, der Benjamin Raich, sondern auch ein guter Gedankenleser, denn er sprach das aus, was vielleicht nicht viele Millers Gegner, aber gewiss viele Skisportfans denken: "Schade für den Wettbewerb, dass Bode nicht mehr dabei war". Am Samstag ist Miller dann wieder auf der Piste zu sehen, wo es auch auf zwei Brettern schwer wird, gegen die Konkurrenz aus Österreich bestehen zu können.