Citigroup: Getürkt
Die Citigroup gerät am europäischen Finanzmarkt wegen eines umstrittenen Handelsgeschäfts von Anfang August immer stärker in die Schusslinie der Aufsichtsbehörden. Bereits vergangene Woche hatte Jochen Sanio, der Chef der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, gegen sechs Londoner Händler Strafanzeige wegen des Verdachtes auf Manipulation von Marktpreisen gestellt.
Jetzt überlegt das hessische Wirtschaftsministerium als oberste Aufsichtsbehörde der Terminbörse Eurex, ob es den Sanktionsausschuss anrufen soll. Ein Sprecher des Ministeriums bestätigte den Eingang eines Schreibens der Handelsüberwachungsstelle, mit dem der Fall übergeben worden sei. Der Sanktionsausschuss ist ein Selbstregulierungsorgan der Terminbörse und kann vom Freispruch über einen Verweis bis hin zum Handelsverbot alles beschließen. Während die britische Finanzaufsicht FSA den Fall noch prüft, rechnen Frankfurter Insider fest damit, dass auch in Italien und Spanien in Kürze Strafanzeige gestellt werden dürfte.
Dass die größte Bank der Welt ihren Ruf plötzlich in ganz Europa gefährdet sieht, liegt an zwei Minuten des 2. August vergangenen Jahres. In 120 Sekunden verkauften ihre Londoner Anleihehändler auf einer elektronischen Handelsplattform europäische Staatstitel im Rekordvolumen von mehr als zwölf Milliarden Euro. Zuvor sollen sie angeblich die Kurse über Käufe am Terminmarkt Eurex nach oben getrieben haben. Dieses unter Händlern nicht untypische Schurkenstück gewinnt an Brisanz, da interne Aufzeichnungen dafür sprechen, dass alles von langer Hand geplant war und auch ein langfristiges Ziel dahinter steckte: Die am europäischen Staatsanleihemarkt mickrigen Margen der Händler sollten auf amerikanisches Niveau aufgepeppt werden. Dafür hätte die effiziente elektronische Handelsstruktur diskreditiert werden müssen. Kein Wunder, dass dies die Finanzminister ärgert. Eine um einen kleinen Basispunkt teurere Finanzierung macht allein die handelbare Bundesschuld um 400 bis 500 Millionen Euro teurer.
- Datum 03.02.2005 - 13:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 06/2005
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