Cuba libre

Zum Geburtstag der Queen gibt es dieses Jahr keinen Mojito-Cocktail für Kubas Dissidenten. Nicht in der britischen Botschaft in Havanna und auch nicht in der deutschen. Vergangenes Jahr war das noch anders. Da baten die Diplomaten der EU auf der Zuckerinsel um zahlreiches Erscheinen der Dissidenten. Seither muss, unbemerkt von den politischen Wetterfröschen, ein Wind der Freiheit durch Kubas Kerker gefegt sein. Anders lässt sich die jüngste Volte der EU jedenfalls kaum erklären.

Aber ist alle Unterdrückung tatsächlich nur noch ein Spuk von gestern? Weit gefehlt. Von 75 Oppositionellen, die Fidel Castro im Jahr 2003 festnehmen ließ, sind erst 14 wieder frei. Nicht einmal jeder Fünfte also. Doch unseren EU-Politikern genügt das, um ihren Cocktail-Krieg wieder abzublasen und die Beziehungen zum máximo løder zu normalisieren - vorerst bis Juni, wie es nun in Brüssel heißt.

Anzeige

Václav Havel, der aus eigener, leidvoller Erfahrung weiß, wie sich ein Dissident hinter Gittern fühlt, empört sich. Die EU tanze nach Fidels Pfeife, spuckt der tschechische Schriftsteller und Ex-Staatschef den Europäern ins Glas. Die haben das verdient. Menschenwürde, Freiheit und Demokratie seien die Werte, auf die diese Union gründe. So liest man es im Verfassungsvertrag, vollendet im selben Juni 2003, als Diplomaten mit Dissidenten den Mojito tranken. Wir empfehlen daher für kommenden Juni: Same procedure as last year.

Diesmal mit Cuba libre.

 
Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    Service