Demnächst Gymnasialgebühren?
Interview mit Bert Rürup: Wer studiert, soll zahlen, ZEIT Nr. 4
Man kann die Gefahr einer weiteren Verschärfung der sozialen Auslese durch die Einführung von Studiengebühren nicht damit abtun, dass auch das gegenwärtige System schon soziale Auslese mit sich bringt, wie dies Herr Rürup tut. Vielmehr zeigt die aktuelle Debatte über die immer noch gravierende Chancenungleichheit im deutschen Bildungssystem, dass in allen Bildungsbereichen an ihrer Reduzierung gearbeitet werden muss. Dass dies insbesondere auch eine Aufgabe der voruniversitären Bildungspolitik ist, hat Herr Rürup ganz richtig dargelegt. So wäre ein obligatorisches Vorschuljahr durchaus ein Schritt in die richtige Richtung.
Aber nur mit einer Verschiebung der sozialen Schranke in den Bereich zwischen Schule und Universität ist einer Gesellschaft, die durch den fortschreitenden Abbau niedrig qualifizierter Arbeitsplätze einen stetig steigenden Bedarf an höher qualifizierten Kräften hat, beileibe nicht geholfen. Was könnte eine solche Grenzziehung zwischen Schule und Universität rechtfertigen? Sicher verdient der Akademiker in vielen Fällen mehr als jemand ohne universitäre Bildung. Aber gilt dies nicht auch in gleichem Maße für einen Vergleich zwischen Abiturient ohne Studium und Hauptschulabgänger? Wie weit ist es dann noch bis zur Forderung von Gymnasialgebühren?
Dieser zugespitzte Vergleich zeigt: Wir brauchen ein Bildungskonzept vom Kindergarten bis zur Hochschule frei von sozialen Schranken. Sicher ist dies im Wesentlichen eine Frage der Finanzierung. Hier zu sparen wäre jedoch in einem Land, in dem Bildung den Rohstoff Nummer eins stellt, definitiv das falsche Ende.
GUNNAR ECKHOFF, ERLANGEN (22 JAHRE)
- Datum 03.02.2005 - 13:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 06/2005
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