Dieser Schweizer träumt vom Mehr: Wenn Josef Ackermann am Donnerstag vor die Presse tritt, wird er sagen, dass die Deutsche Bank 2004 so viel verdient hat wie seit vier Jahren nicht – aber eben nicht genug. Er wird sagen, dass die Bank ihre Kosten deutlich gesenkt hat – dass aber noch einmal Tausende Stellen wegfallen. Er wird auch sagen, dass sein Geldhaus inzwischen so viel eigene Anteile hält, dass der größte Einzelaktionär der Deutschen Bank die Deutsche Bank ist – und dass man weitere Aktien kaufen will. Vor allem aber wird er sagen, dass alles nur dazu dient, ein großes Ziel zu erreichen: 25 Prozent Eigenkapitalrendite vor Steuern.

Es ist Ackermanns Dogma. 25 Prozent: Nur mit dieser Rendite, predigt der Vorstandschef, könne die Bank überleben. 25 Prozent: So viel müsse man den Aktionären schon bieten, um an der Börse zu bestehen. 25 Prozent: So viel schafften die wichtigsten Konkurrenten weltweit ja auch.

25 Prozent? "Ackermann hat sich verrannt", sagt ein hochrangiger Banker. "Er kommt mit diesem Ziel einfach zehn Jahre zu spät."

Tatsächlich ist das magische Viertel ein Relikt aus den Neunzigern. Damals huldigten alle Chefs dem Shareholder-Value in Reinform; heute reden die meisten davon, mit welchen Produkten sie wachsen wollen oder wo sie Kunden gewinnen möchten. Nur die Deutsche Bank reduziert ihre Perspektive auf eine Zahl. Weil er das ehrgeizige Ziel aber nun in die Welt gesetzt hat, muss Ackermann auch um jeden Preis beweisen, dass er es erreichen kann. Spätestens 2005, so hat er den Aktionären versprochen, werde man die 25 packen. "Er hat sich sehr weit aus dem Fenster gelehnt", warnt ein Analyst, "er kann nicht zurück." Doch im verzweifelten Bemühen, die gelobte Rendite zu schaffen, könnte der Chef seiner Bank am Ende schaden.

Tatsächlich ist schon das 25-Prozent-Ziel aus Verzweiflung entstanden. Als Ackermann im Mai 2002 den Chefposten von Rolf Breuer übernimmt, will der Neue noch etwas anderes. Zum Beispiel den Börsenwert mehr als verdoppeln. Oder das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen ausbauen. Doch anderthalb Jahre später, im Herbst 2003, ist der Aktienkurs der Deutschen Bank um ein Viertel gesunken; ausgerechnet der Kapitalmarkt misstraut dem kapitalmarktfixierten Ackermann. Also muss ein neues, griffiges, noch ehrgeizigeres Ziel her, um die Investoren zu locken: 25 Prozent vor Steuern. Binnen zwei Jahren.

"Absurd" nennt das der Finanzchef eines deutschen Traditionskonzerns. Eine "Bankrotterklärung" sei die Maßzahl, sagt der Handelschef einer großen deutschen Bank.

Denn Ackermanns Ziel ist problematisch. Der 56-Jährige gibt keine absolute Größe vor – zum Beispiel einen Vorsteuergewinn von 6,5 Milliarden Euro –, sondern eine relative. Die Eigenkapitalrendite ergibt sich aus dem Vorsteuergewinn, geteilt durch das eingesetzte Kapital. Diese Rendite lässt sich also selbst dann steigern, wenn der Gewinn konstant bleibt oder sogar fällt. Man muss nur das eingesetzte Kapital verringern. Und genau das geschieht.