Ein Hoch auf die Provinz
Susanne Gaschke: Wo Familien am besten leben, ZEIT Nr. 4
Kinderfreundlichkeit vor allem an der Anzahl der Betreuungsplätze zu messen erscheint mir arg simpel. Wir sind im letzten Jahr mit kleinem Sohn nach Speyer gezogen. Es gibt hier genug Natur zum Austoben und garantiert viele Spielkameraden. Es gibt Spielplätze. Er wird je nach Lust Sport treiben und Instrumente erlernen können (wenn es ihn denn interessiert). Er kann Schulen verschiedener Ausrichtung und mit vielfältigem Sprachangebot besuchen. Er lebt in einer Stadt voller Geschichte und Kultur - auch wenn sie zur viel und zu Unrecht geschmähten Provinz zählt. Es gibt ein tolles Aquarium und Museen, in denen einiges speziell für Kinder passiert. All das taucht in den drögen Zahlen überhaupt nicht auf.
TANJA KLEIN, SPEYER
Mehr Einbrüche, Körperverletzungen und Verkehrsunfälle mit Kindern, überdurchschnittliche Schulabbrecherquote, in tiefgrauer Farbe auf der Karte visualisiert - ein Szenario, das sich vor dem geistigen Auge automatisch mit Bildern von in Lumpen gehüllten, frierenden und in der trostlosen Landschaft herumirrenden Kindern fortführt. Eigentlich ein Fall fürs Kabarett, läge dieser Darstellung nicht die Studie eines renommierten Hauses zugrunde. Die lapidare Bewertung Perspektivlose Region schlägt jedoch all jenen ins Gesicht, die sich trotz aller Schwierigkeiten mit enormem persönlichem Engagement privat, in Vereinen, Verbänden oder in der Politik für eine Zukunftsperspektive der betroffenen Regionen und ihrer Menschen einsetzen.
BERTRAM WIELOCH, GÖRLITZ
- Datum 03.02.2005 - 13:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 06/2005
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