Fragiles System: Eine Mischung aus Fakten und Psychologie

Gedacht als Antwort auf das Währungschaos der Zeit zwischen den Weltkriegen, sah das Bretton-Woods-Abkommen von 1944 ein System mit festen Wechselkursen vor. Die USA verpflichteten sich, ihre Währung jederzeit zum Preis von 35 Dollar je Unze in Gold einzutauschen. Andere Länder fixierten ihre Währungen an den Dollar. Nur in Ausnahmefällen sollten die Wechselkurse angepasst werden.

Der Dollar wurde so in der Nachkriegszeit zur Reservewährung der Welt. Denn auch der Staatshaushalt der USA war solide finanziert, die Leistungsbilanz im Plus. Und die Verpflichtung, jeden Dollar notfalls in Gold umzutauschen, galt quasi als automatischer Schutz gegen eine expansive inflationäre Geldpolitik der USA.

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Von Mitte der sechziger Jahre an stiegen in den USA jedoch die Sozialausgaben und die Kosten für den Vietnamkrieg stark an. Eine expansive Geldpolitik ließ die Inflation steigen und das Vertrauen in den Dollar sinken. Daraufhin nahm Frankreich die USA beim Wort und begann in großem Stil seine Dollar-Reserven in Gold einzutauschen. Andere Notenbanken folgten, zuletzt die Bank of England. Die USA sahen ihre Goldreserven schwinden. Am 15. August 1971 kündigte US-Präsident Richard Nixon deshalb einseitig die Einlösungspflicht des Dollar auf. Die Auswirkungen dieses währungspolitischen Affronts waren allerdings bemerkenswert gering: Selbst mehr als drei Jahrzehnte nach dem Zusammenbruch des Gold-Devisen-Standards ist der Dollar noch immer die Leitwährung der Welt. Neben der Größe des US-Wirtschaftsraums und der Liquidität des Kapitalmarktes dürfte die amerikanische Währung dies vor allem einem Gewöhnungseffekt verdanken. Sie hatte sich als Tauschmittel und Anlagewährung etabliert und blieb es, auch ohne die Golddeckung.

Daran dürfte sich so bald auch nichts ändern, glauben jedenfalls einige US-Ökonomen bei der Deutschen Bank. Sie vertreten die These, Bretton Woods sei wiederauferstanden. Wie früher versorge ein Zentrum, die USA, den Rest der Welt mit seiner Währung. Das ermögliche es ihm, gemessen an seiner Produktion, über seine Verhältnisse zu leben. Denn die Länder der Peripherie nutzten hohe Exportüberschüsse, um sich zu entwickeln. Wie einst Japan und Deutschland hielten sie ihre Währungen künstlich billig, indem sie US-Staatsanleihen kauften und so das hohe Defizit in der US-Leistungsbilanz finanzierten.

Dieses System, so die von Währungsexperten wie Barry Eichengreen debattierte These, sei stabil, solange vor allem Japan und China auf Wachstum durch Export setzten, und das dürfte noch lange der Fall sein. Immerhin geschätzte 200 Millionen unterbeschäftigte chinesische Landarbeiter suchten einen Job in der Exportindustrie, und bis sie alle einen finden würden, werde es 10 bis 20 Jahre dauern. Aus Angst, ein fallender Dollar, drastisch steigende Zinsen und eine Rezession in den USA könnten die Nachfrage nach ihren Waren bremsen, kauften die Asiaten weiterhin Treasurys und stabilisierten so den Dollar.

Kritisch könnte es nun werden, wenn die Zentralbanken ihre Dollar-Reserven in andere Währungen umschichten und den Dollar damit in die Tiefe schicken würden. Erste Anzeichen dafür gibt es. Optimisten betonen zwar, es bestehe keine Gefahr für die USA, solange ihre Schulden auf Dollar lauteten. Aber bislang betrug die Lebensdauer von Reservewährungen erstaunlich regelmäßig etwa hundert Jahre. So war es im Fall der Portugiesen, Spanier, Holländer und Franzosen. Von 1815 bis 1920 übernahm das Pfund Sterling diese Rolle, seither ist es der Dollar.

 
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