Wettskandal im Fussball Im Abstiegskampf

Blühende Geschäfte im Wettbüro, Nervosität in der »Sportschau«-Redaktion, Zerknirschung beim DFB – und der beste deutsche Schiedsrichter denkt ans Aufhören: Eine Reise durch das erschütterte Fußballdeutschland

Der Aufklärer

Samstag, 10.30 Uhr. Lutz Michael Fröhlich hatte an den Stadtrand gebeten. Hinaus aus Berlin, wo Robert Hoyzers Bild an allen Kiosken hängt, wo kaum noch Raum zum Denken bleibt. Er werde laufen gehen. Es klang, als wollte er, wie immer als Schiedsrichter, Abstand vom Getümmel halten. Fröhlich war es, der dem DFB den Verdacht gegen seinen Berliner Kollegen Hoyzer zugetragen hatte.

Eigentlich sollte Lutz Michael Fröhlich, 47, seit 1991 Bundesligaschiedsrichter, an diesem Morgen auf dem Weg nach Kaiserslautern sein, um die Partie des 1. FC Kaiserslautern gegen Schalke 04 zu leiten. Fröhlichs letzte Bundesligarückrunde war angebrochen; mit 47 Jahren ist für Schiedsrichter Schluss. Vom Einsatz in Kaiserslautern zog ihn der Deutsche Fußball-Bund (DFB) jedoch einen Tag zuvor ab - »aus Sicherheitsgründen«.

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Fröhlich hat gewagt, was Schiedsrichter sonst ungern tun: Er hat einem Kollegen einen Fehler unterstellt. Und er hat damit die Karriere jenes Mannes beendet, der ihm im Sommer vermutlich als Bundesligaschiedsrichter nachgefolgt wäre. Am 19. Januar machte Fröhlich dem DFB Meldung. Vorausgegangen waren »schlaflose Nächte« und mehrere Treffen mit seinen Berliner Kollegen Olaf Blumenstein, Manuel Gräfe und Felix Zwayer. Zwayer, 23 Jahre junger Assistent Hoyzers, hatte sich verstört Fröhlich anvertraut. Im Mai 2004 habe Hoyzer vor dem Regionalligaspiel zwischen dem Wuppertaler SV und den Amateuren von Werder Bremen mit einem Päckchen von 500-Euro-Scheinen gewedelt und gesagt: »Das können wir aus unseren Spielen machen.« Wuppertal gewann durch einen strittigen Elfmeter. Im Oktober habe Hoyzer ihm, damals als Linienrichter beim Spiel Rot-Weiß Essen gegen den 1. FC Köln eingesetzt, telefonisch mitgeteilt, dass ein Kölner Sieg erwünscht sei. Im Januar, bei einem Hallenturnier in Riesa, habe Hoyzer wieder versucht, ihn zu beeinflussen.

»Wir haben überlegt: Mensch, ist da was dran?«, sagt Fröhlich. »Oder baut sich da eine Intrige gegen Robert Hoyzer auf? Schließlich haben wir gesagt: Das muss geklärt werden.«

»Lutz Michael Fröhlich aus Berlin« ist eine Marke im deutschen Schiedsrichterwesen. Jetzt klebte dieses »Berlin« an Fröhlich wie ein Fluch, denn Berlin stand fortan für die Hauptstadt des Wettbetrugs, und dieses Berlin warf einen Schatten auf ihn, Blumenstein, Gräfe und Zwayer. Der DFB musste eine Ehrenerklärung ausgerechnet für jene abgeben, die Zivilcourage gezeigt hatten.

Vor sechs Jahren hatte Fröhlich tatsächlich Hoyzer eine große Karriere vorhergesagt. »Damals sollte ich ihn zweimal beobachten, in der Verbandsliga, da war er ein ganz, ganz riesengroßes Talent.« Was machte sein Talent aus? »Einen guten Schiedsrichter erkennt man an den Bewegungsabläufen. Habitus. Gestik. Mimik. Ob das alles schlüssig rüberkommt auf dem Spielfeld.« Aber das sagt noch nichts über richtige oder falsche Entscheidungen aus, oder?

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