Alexander Hamilton war ein vorausschauender Mann. Als erster Finanzminister der USA musste er Ende des 18. Jahrhunderts einen Ausweg aus der Schuldenkrise der unabhängig gewordenen Gründerstaaten finden. Sie hatten sich gerade die Freiheit von der englischen Krone erkämpft, als sie feststellten, dass sie unter einer erdrückenden Schuldenlast zu leiden hatten. Besonders unangenehm war, dass sie sich in so vielen Währungen bei den unterschiedlichsten Gläubigern auf dem Alten Kontinent verschuldet hatten.

Hamilton setzte durch, dass die Schulden der Einzelstaaten von der neuen Bundesregierung übernommen und umgeschuldet wurden. Zu diesem Zweck wurden neue Titel begeben, nur im Inland und nur in Dollar. Das war die Geburtsstunde der Wall Street, und die treasuries wurden im Laufe der Zeit zur wichtigsten und beliebtesten Anleihe der Welt.

Im vergangenen Jahr hat auf den globalen Finanzmärkten eine leise Revolution begonnen, die an Hamilton erinnert. Einige Schwellenländer haben sich erstmals auf dem internationalen Kapitalmarkt in ihrer eigenen Währung verschuldet. Bislang lauteten internationale Anleihen fast ausschließlich auf nur fünf Währungen: Dollar, Euro, Yen und, seltener, Britisches Pfund oder Schweizer Franken.

Uruguay und Kolumbien gingen voran und haben internationale Anleihen in einheimischer Währung begeben. Auch Mexiko und vier brasilianische Banken gehören zu den Revoluzzern. Die Regierung Brasiliens will bald folgen. "Dieses Jahr werden auf den internationalen Märkten weitere Staatsanleihen in lokaler Währung begeben werden", erwartet das Institute of International Finance, ein Zusammenschluss privater Banken. "Sollte Brasilien mit einem großen Real Bond kommen, wäre das wirklich ein Meilenstein", sagt Christian Stracke, Schwellenländer-Chef der Research-Firma Creditsights in New York.

"Es gibt bei Schwellenländer-Papieren einen starken Trend hin zu lokalen Währungen", sagt Steve Ellis, Schwellenländer-Stratege der Investmentbank Lehman Brothers. Sein Haus hat zum Jahresanfang erstmalig lokale Schwellenländer-Bonds in ihre Anleihenindizes eingebaut. Das dürfte die großen Investoren dazu bringen, mehr in diese Titel zu investieren.

"Die Investoren sind wieder mutig geworden"

Damit fällt ein Entwicklungshemmnis, das sich als erstaunlich hartnäckig erwiesen hat. Ricardo Hausmann, heute Ökonom in Harvard und einst Chefvolkswirt der Interamerikanischen Entwicklungsbank, IDB, bezeichnet es als "original sin", die Erblast der Schwellenländer. Sie konnten im Ausland keine Schulden in ihrer eigenen Währung aufnehmen. Dagegen schien lange kein Kraut gewachsen, selbst einigermaßen solide Staatsfinanzen halfen nicht. Der Makel der Vergangenheit haftete den schlechten Schuldnern für Jahrzehnte an. "Das ist bislang noch die Achillesferse der Schwellenländer", sagt Christian Kopf, Fondsmanager bei der DWS.

Wenn die Schulden zum Großteil aus Dollar bestehen, die Haupteinnahmen aber aus eigener Währung, hat das Schuldnerland in der Regel ein Problem. Wertet die eigene Währung deutlich ab, explodieren die Schulden im Verhältnis zu den Einnahmen. Es droht schnell der Staatsbankrott, und die Angst davor wird zur selbsterfüllenden Prophezeiung. Im Fall Argentiniens ist 2001 genau dies geschehen.