arzneimittel »Viel Geld für falsche Sachen«
Der Chef des weltgrößten Pharmakonzerns klagt an: Die Deutschen bestrafen Erfinder und schützen Nachahmer
DIE ZEIT: Herr McKinnell, die Gründer Ihres Unternehmens waren Deutsche. Sind Sie froh, dass Ihr Büro heute in New York steht und nicht im schwäbischen Ludwigsburg?
Henry McKinnell: Nun, es war die Hoffnung auf bessere Bedingungen, die den Chemiker Karl Friedrich Pfizer und seinen Cousin vor über 155 Jahren nach Amerika lockte. Und was damals galt, gilt heute erst recht: Die Bedingungen für die pharmazeutische Industrie sind in den Vereinigten Staaten um Klassen besser. In Deutschland denken die Gesundheitspolitiker weniger an die Gesundheit als an deren Kosten.
ZEIT: Moment mal! Sicher liegen die Amerikaner weltweit vorn. Sie geben fast fünfzehn Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für Gesundheit aus. Doch mit elf Prozent kommt die Bundesrepublik immerhin an zweiter Stelle.
McKinnell: Das stimmt, die Deutschen zahlen eine Menge Geld, aber leider verschwenden sie es für die völlig falschen Sachen. Für eine innovative Arznei etwa bekommt ein Hersteller nur die Hälfte von dem, was er in den USA erzielen kann. Dafür sind die alten Nachahmerpräparate zwei- bis dreimal teurer. Das ist absolut unlogisch. Und es fällt mir dafür nur ein einziger Grund ein: dass die meisten neuen Medikamente inzwischen aus den USA importiert werden, während die Nachahmerprodukte auch in Deutschland hergestellt werden.
ZEIT: Das klingt so, als seien Sie ziemlich sauer, dass die gesetzlichen Krankenkassen Ihren Cholesterinsenker Sortis seit Jahresbeginn nicht mehr voll erstatten. Durch die neue Festbetragsregelung steht Sortis plötzlich in der Konkurrenz mit billigeren Präparaten und sogar mit Generika.
McKinnell: Ja, wir haben gegen diesen Beschluss geklagt. Kranke haben einen Anspruch auf die jeweils beste Medizin für ihr Leiden. In Deutschland wird den Patienten Innovation vorenthalten. Das ist gegen das Gesetz.
ZEIT: Und was, wenn eine neue Arznei gar nicht die beste ist?
- Datum 03.02.2005 - 13:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 03.02.2005 Nr.6
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