Kino Glamour einer UnscheinbarenSeite 2/2

Hummer hört deutschen Rap und Techno, treibt sich auf Flohmärkten herum und sammelt Vinylplatten aus den siebziger Jahren. In ihrer Wohnung übt sie Schlagzeug und benutzt für erste Aufnahmen ein Computerprogramm. Am liebsten würde sie ihr eigenes Independent-Label gründen, und ihre erste und bislang einzige Veröffentlichung war eine Single mit zwei Stücken, die nur auf Vinyl und nur in England erschienen ist: »Die hat ein großes Loch, die sieht fantastisch aus, da steht drauf, sie ist gepresst in Nashville, Tennessee.« Darauf ist sie stolz, aber Geld verdient man damit nicht.

Seit dem Sommer lebt sie von ihrer Gage für Gespenster, studiert Design und macht ansonsten vor allem, was ihr wichtig ist: Musik. Das ist ihr lieber, als »Erfahrungen zu machen, die ich nicht noch mal machen möchte«. Zu oft hat sie ihrer Meinung nach für Filme »das Gesicht hingehalten«, die sie dann später lieber »unter Pseudonym« absolviert hätte. Dass ihr Image das eines Anti-Stars ist, findet sie »mittlerweile cool, denn ich bin ja nicht dazu da, die Freizeit der Leute zu verschönern«. Währenddessen wird am Nebentisch immer lauter gegrölt, so laut, dass Julia Hummers Stimme auf dem Band später kaum noch zu hören sein wird. Sie singen Viva Colonia und Bumsfallera. Es ist ihre Generation. »Ich glaub total an die Leute«, sagt sie, und es ist nur ein klein wenig ironisch gemeint.

 
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