Karstadt Retter auf der Flucht

Die Gläubigerbanken des angeschlagenen Warenhauskonzerns KarstadtQuelle verkaufen ihre Kredite. Zweifeln sie am Sanierungsplan?

Wenn erst einmal einer wegläuft, dann laufen alle anderen mit großer Sicherheit bald hinterher. Weil sie davon ausgehen, dass der Erste einen guten Grund für seine Flucht gehabt haben muss. Bei KarstadtQuelle rannten sie schließlich alle, erst die Kreditgeber, dann die Aktionäre. Am Montag brach der Aktienkurs des angeschlagenen Handelsunternehmens um rund fünf Prozent ein und war damit der schlechteste Wert im M-Dax, dem Aktienindex für mittelgroße Unternehmen. Und bis Dienstagnachmittag ging es erneut um mehr als zwei Prozent nach unten.

Der Grund für die Flucht aus der Aktie: Einige der Kredit gebenden Banken von KarstadtQuelle haben ihre Forderungen verkauft. Nach Informationen der Börsenzeitung und der Financial Times Deutschland soll es sich um ein Volumen von insgesamt rund 300 Millionen Euro handeln. Zu den Instituten – die den Sachverhalt nicht kommentieren möchten – sollen unter anderem die Landesbank Baden-Württemberg, die Westdeutsche Landesbank sowie die Hessisch-Thüringische Landesbank und die HypoVereinsbank gehören. Die Commerzbank prüft angeblich ebenfalls einen Verkauf ihrer Forderungen gegenüber Karstadt. Als Käufer gilt die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs, die offenbar teils auf eigene, teils auf fremde Rechnung einkauft.

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Nur mit hohen Abschlägen wurden die Geldgeber ihre Darlehen los

Verkauften die Banken ihre Kredite, weil ihnen das Risiko zu hoch wurde und sie insgeheim fürchteten, der krisengeschüttelte Kaufhauskonzern werde seine Schulden niemals mehr zurückzahlen können? Oder ist alles doch nur ein »branchenüblicher Vorgang«, wie es bei KarstadtQuelle heißt, der den Sanierungsplan überhaupt nicht beeinträchtigt?

Für die erste Vermutung scheint zu sprechen, dass die Banken offenbar hohe Abschläge hingenommen haben, nur um ihre Forderungen loszuwerden. Von neun Prozent Nachlass gegenüber der Kreditsumme war zunächst die Rede, am Dienstag hieß es aus beteiligten Kreisen sogar, darauf könne man »ruhig noch einen ordentlichen Schnaps drauftun« – die Abschläge dürften also in Wahrheit noch höher gewesen sein.

Für die zweite Vermutung spricht, dass groß angelegte Kreditverkäufe im internationalen Vergleich durchaus üblich sind, auch wenn deutsche Unternehmen damit noch vergleichsweise wenig Erfahrung haben. Ebenso üblich sind Abschläge – sie stellen im Erfolgsfall die Rendite für den Käufer dar. Ein Kenner der Szene berichtet, dass diese Abschläge oft auch deshalb relativ hoch seien, »weil der Markt nicht besonders effizient ist, es also nur wenige Käufer gibt«.

Sollten die Gläubigerbanken von KarstadtQuelle nun das ganze Sanierungskonzept infrage stellen, käme das zudem einem schnellen Gesinnungswandel gleich. Immerhin ist es keine zwei Monate her, dass sie den Rettungsplan selbst durchgesetzt haben. Erst nachdem ihre Forderungen erfüllt waren, unterschrieben sie ihre Zusage für einen 1,75-Milliarden-Euro-Kredit und gaben dem Vorstandschef Christoph Achenbach drei Jahre Zeit, den Krisenkonzern aus Essen zu retten. Der Sanierungsplan sieht unter anderem vor, durch einen Stellenabbau die Personalkosten um 760 Millionen Euro zu reduzieren. Zudem will KarstadtQuelle all jene Konzernsparten abstoßen, die nicht zum Warenhausgeschäft und dem Versandhandel, also ihrem »Kerngeschäft« gehören.

Zum 1. April wird DHL, die Logistik-Tochter der Deutschen Post, ein Warenverteilzentrum und einige Lager von KarstadtQuelle übernehmen. Und am Dienstagabend hat das Handelsunternehmen seinen Anteil am Sportsender DSF verkauft. Achenbachs Abbaustrategie kommt also voran – allerdings deutlich langsamer als geplant. So hat er bislang noch keinen Abnehmer für die Fachgeschäfte Wehmeyer, Runners Point, SinnLeffers und Golf House präsentiert.

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