Die Verdienste der IRA Cosa O’Nostra

Manchmal, ganz im Stillen, traut sich der eine oder andere Bewohner der verarmten nordirischen Arbeiterviertel auszusprechen, was aus der glorreichen Befreiungstrupppe IRA geworden sei: eine Mafia. Zu Schmugglern, Betrügern, Schlägern, Erpressern und Geldwäschern seien viele der einstigen Stadtguerilleros heruntergekommen, zu kleinen irischen Al Capones . »Sie kaufen Pubs, Tankstellen, Geschäfte – da ist so viel Geld im Spiel, es ist unglaublich«, sagt einer, der keinen Namen nennen will. Dreißig Jahre lang hat die IRA ihre Herrschaftsgebiete von britischer Polizei und Armee freigekämpft – jetzt machen es sich viele Mitglieder der Untergrundarmee in der Unterwelt gemütlich. 235 Gangs, zählt ein Bericht einer irisch-nordirischen Polizei-Task-Force auf, seien in Ulster in Organisiertes Verbrechen verwickelt. Die Mehrheit von ihnen habe Verbindungen zu terroristischen Gruppen. Allein die IRA, errechnete ein Ausschuss des Londoner Unterhauses, scheffle jährlich bis zu elf Millionen Euro in ihre Kasse. Zu den beliebtesten Methoden zählen Zigaretten- und Dieselschmuggel über die 320 Kilometer lange innerirische Grenze. Auf mysteriöse Weise verschwinden auch immer wieder Laster voll Wodka oder Whiskey aus den Häfen der Insel. Regelmäßig beschlagnahmt die nordirische Polizei gefälschte Designerkleidung und nachgemachtes Chanel- und Armani-Parfum. Und in den republikanischen Vierteln der Provinz hat sich längst herumgesprochen, wo es Spielfilm-DVDs und Folk-CDs am günstigsten gibt: in den Parteibüros der vielen Terrorgrüppchen. Schwarz gebrannt, versteht sich. Ein neues Wort macht die Runde im Reich der Paramilitärs: das der »paramillionaires« . Jochen Bittner

 
  • Quelle (c) DIE ZEIT 03.02.2005 Nr.6
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  • Schlagworte Tankstellen | IRA | Mafia | Unterhaus | Hafen | Polizei
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