Kunst fürs Taschengeld
Auch Kinder können schon Sammler sein - dank der eigens angefertigten Muka Prints
Die Kinder von heute sind möglicherweise die Kunstliebhaber und Sammler von morgen. Nur, wie lässt sich der Nachwuchs an die Kunst heranführen, wie dafür begeistern? Wie schwierig das mitunter sein kann, wissen die Mitarbeiter von museumspädagogischen Diensten und die Kunstlehrer. Selbst kunstsinnige Eltern scheitern nicht selten vor dem schönsten Turner-Gemälde an ihren gelangweilten Nachkommen.
Gleichwohl scheint das Thema Kinder und Kunst aktuell zu sein. Das Deutsche Hygiene Museum in Dresden eröffnete kürzlich die Schau Spielen. Die Ausstellung (bis zum 31. Oktober) mit einem umfangreichen Begleitprogramm inklusive einer Tagung über Computerspiele. Das Stadtmuseum Düsseldorf will mit Play! die Stadt als Spielraum für Kinder und Erwachsene kreativ öffnen (bis zum 29. Mai). Und gerade zu Ende gegangen ist die Ausstellung Welt der Spiele - reloaded im ZKM in Karlsruhe, die sich mit interaktiven Vergnügungen in der Kunst befasste.
Geriet der Katalog zur Dresdner Schau eher trocken wissenschaftlich (Hatje Cantz), so zeichnen sich viele andere Publikationen durch eine anbiedernde und nur scheinbar kindgerechte Sprache aus. Eine erfrischende Ausnahme war die Ausstellung Kunst - Ein Kinderspiel in der Frankfurter Schirn Kunsthalle.
Sie wurde von dem Internationalen Kritikerverband (AICA) zur besonderen Ausstellung des Jahres 2004 gekürt. Mit 200 Exponaten von 40 Künstlern des 20. Jahrhunderts gab sie erstmals einen Überblick über Kunst für Kinder.
Gezeigt wurden Werke von Picasso bis Warhol, und eigens gestaltete der Künstler Tobias Rehberger viele Podeste und Vitrinen in unterschiedlichen Höhen, die den Besuch der Schau vor allem für kleine Kinder zu einer spielerischen und assoziativen Klettertour jenseits pädagogischer Belehrung machte, wie es in der Begründung für den Preis hieß. Der von Hausherr Max Hollein und Gunda Luyken herausgegebene Katalog im Frankfurter Revolver Verlag (34,80 e) hält das Unternehmen erstaunlich lebendig.
Nun kündigt die Messe Köln einen ersten Stand nur für Kinder im Alter von 5 bis 18 Jahren auf der KunstKöln (23. bis 27. Februar) an. Die Idee stammt von der Anfang der achtziger Jahre nach Neuseeland ausgewanderten Belgierin Magda van Gils. Sie will Kinder nicht nur für Kunst begeistern, sondern in jungen Jahren schon zu Konsumenten von kleinen Künstlerdrucken machen - sozusagen vom Taschengeld.
1983 richtete sie gemeinsam mit ihrem Mann Frans Baetens in Auckland einen Lithografie-Workshop unter dem Namen Muka Studio ein - nicht zuletzt für die beiden eigenen Töchter. In der Zusammenarbeit mit zunächst neuseeländischen, dann auch internationalen Künstlern wie Rosemarie Trockel, Max Neumann, Luc Tuymans, Henk Visch und vielen anderen sind über die Jahre Tausende kleinformatiger Muka Prints in einer Auflage von je 150 Stück entstanden.
- Datum 03.02.2005 - 13:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 06/2005
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