Mach's, Anders

Dänemark wählt. Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen dürfte im Amt bestätigt werden. Er nimmt dem Land die fürsorgliche Gemütlichkeit

Kopenhagen

Zehn Minuten haben beide Kandidaten, ihre wichtigsten Punkte zu verkünden. Es ist das erste öffentliche Rededuell zwischen dem dänischen Ministerpräsidenten Anders Fogh Rasmussen und seinem sozialdemokratischen Herausforderer Mogens Lykketoft. Die Kopenhagener Sporthalle ist gut gefüllt.

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Zehn Minuten, sagt Lykketoft, das ist in der Tat eine lange Zeit - mehr Zeit, als ein Pfleger hat, um seine Jacke abzulegen, einem alten Mann auf die Toilette zu helfen und bei ihm staubzusaugen. Die Anhänger der Sozialdemokraten jubeln ob dieses Angriffs auf die Pflegereform der konservativen Regierung. Rasmussen aber legt sein graues Jackett ab, als wolle er sich für einen Ringkampf rüsten.

Anders Fogh Rasmussen kämpft mit seinem Image. Am kommenden Dienstag wählen die Dänen, die Umfragen sehen den Ministerpräsidenten weit vorne (weshalb er diesen frühen Wahltermin festgelegt hat). Aber immer wieder werfen ihm seine politischen Gegner vor, er habe sich vom hulemand zum julemand gewandelt - von einem Höhlenmenschen, in dessen Welt nur die Stärksten überleben, zum Weihnachtsmann, der allen alles verspricht.

Tatsächlich hat Anders Fogh Rasmussen einen weiten Weg zurückgelegt. 1978 kam der damals 25-Jährige als jüngster Abgeordneter ins Parlament. 1985 stieg er zur Nummer zwei der Liberalen auf. Während der Spitzenmann der Partei Uffe Ellemann-Jensen als Außenminister durch die Welt jettete, zog Rasmussen in der Innenpolitik die Fäden und stärkte, inspiriert von Thatcher und Reagan, das wirtschaftsliberale Profil der Partei.

Zwei Jahre später übernahm Rasmussen seinen ersten Ministerposten. Als Steuerminister versuchte er, Steuersenkungen und einen strikten Sparkurs durchzusetzen. Er galt als herrisch und unduldsam, aber keiner, der mit ihm zusammengearbeitet hat, war je im Zweifel, dass er seinen Stoff beherrschte, schreibt seine Biografin Anne Sofie Kragh. Dennoch, als Rasmussen 1992 wegen geschönter Zahlen von seinem Ministeramt zurücktrat, sollen im Kreis seiner Untergebenen die Sektkorken geknallt haben.

Rasmussens persönliche und politische Krise war von kurzer Dauer. 1993 trat die konservativ-liberale Regierung nach einer Affäre zurück. In der Opposition setzte er sich an die Spitze der ideologischen Erneuerung seiner Partei. Vom Sozialstaat zum Minimalstaat lautete der Titel des Buchs, das er, befreit von den Koalitionszwängen mit den Konservativen, 1993 veröffentlichte. Der Titel war Programm: Eigentlich bedarf es eines Kulturkampfes. Wir müssen von Grund auf mit den kollektivistischen Normen brechen, die wir quasi mit der Muttermilch eingesogen haben. Dies wird ein Kampf gegen vererbtes Gewohnheitsdenken und hinfällige, postulierte Wahrheiten. Derartiges hatte man im gemütlich-fürsorglichen Staate Dänemark bis dahin nicht gehört.

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