Private Quoten

Nach nicht einmal zwei Jahren stehen die privaten TV-Sender ProSieben und Sat.1 wieder zum Verkauf. Der vorletzte Besitzer meldete Insolvenz an (Leo Kirch), der jetzige liebt schnelles Geld (Haim Saban). Und so könnte nun der konservative Axel Springer Verlag zum Zug kommen. Dessen Chef Matthias Döpfner verhandelt zumindest um die Übernahme, und selbst wenn Wochen vergehen, bis ein Vertrag reift, stellt sich schon heute die Frage: Was hätte das für Folgen, wenn zu der publizistischen Macht der Bild-Zeitung zwei reichweitenstarke Fernsehsender kämen? Die Folgen würden wohl vor allem im Privaten liegen - und das im doppelten Sinne.

Regierung und Opposition würden noch unerbittlicher von den Zuträgern des Boulevards verfolgt. Wer falsch badet, Geschenke annimmt oder in Berliner Nächten entgleist, sollte aufpassen. Doch die anderen?

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Aus Privatsendern macht niemand über Nacht politische Schwergewichte. Und erst recht keine mit tiefschwarzer Seele, wie sie manche Kritiker noch immer im Springer-Verlag zu erkennen glauben. Politischer TV-Journalismus ist teuer, investigative Recherchen sind selbst im öffentlich-rechtlichen Programm in spätabendliche Nischen verdrängt. Wie unmöglich sind solche Formate dann erst für private Sender, die von Werbung leben und Millionen Zuschauer halten, also unterhalten müssen? Deshalb ist das Privatleben, sind Seitensprünge und Nebenjobs der Stoff, aus dem hohe Politquoten im Privat-TV gemacht werden. Aus viel mehr vorerst nicht.

 
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