Schumann im Sommer

Gerade mal 15 Jahre war der Riese tot, und wenige wagten sich in sein Revier. Nicht nur Beethovens Sinfonien, auch seine Streichquartette hatten mitunter lähmende Wirkung auf die Komponisten. Robert Schumann war bei einem ersten Anlauf ins erlauchte Genre gescheitert: Mir fehlt der Mut. 1842 ging es besser. Während Clara auf Konzertreise war, hatte sich Robert von einer Depression erholt - als die Pianistin zurückkehrte, studierten die beiden gemeinsam am Klavier die Quartette von Haydn und Mozart (wie um Beethovens Schatten zu umgehen), und im Juni brach an, was die Musikgeschichte als Schumanns Kammermusikjahr notiert - drei Streichquartette entstanden, eine leuchtende Trilogie, die von Melancholie über Glück bis zu zärtlicher Sehnsucht reicht.

Letztere trifft einen im dritten der Quartette, opus 41, dem meistgespielten.

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Wer seinem ersten Thema verfällt, merkt kaum und muss auch gar nicht merken, wie nahe Beethoven ist. Und doch ist Schumanns reflektierte Selbstbefreiung im letzten der Streichquartette (weitere schrieb er nie) längst auf einem Niveau, das ihn zu seinen eigenen Gefühlen kommen lässt - inmitten einer lichten, ausbalancierten Architektur. Und beim Quatuor Terpsycorde (claves 50-2404/Klassik Center Kassel) klingt der erste Satz zärtlich und schmerzlich wie selten zuvor.

Die Geiger Girolamo Bottiglieri und Raya Raytcheva, Bratscherin Caroline Haas und Cellist François Grin bilden ein Ensemble zur Seelenerkundung dieser Musik eher als zur Schärfung ihrer Strukturen (die hat unlängst das Zehetmair Quartett auf phänomenale, wenn auch fast zu unsentimentale Weise geleistet).

Sie steigern den zweiten Satz zur Energie eines Ich grolle nicht, das Adagio danach ist große Erzählung. Die Sinnlichkeit der vier - es sind wirklich vier, nicht eins plus drei - lässt auch die Klangschichten leuchten, die sich bei Schumann immer wieder bilden. Und sie verbindet schlüssig alle drei Quartette dieses opus 41 - sei es beim beglückten Nichtendenwollen im zweiten oder bei der noch beklommenen Verneigung vor Beethoven im ersten Quartett. Da wird feierlich das Adagio der Neunten zitiert. Und dann ist Schumann endlich frei ...

 
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