In den letzten Spielzeiten der Fußball-Bundesliga schlich sich Leverkusen häufig einmal in Richtung Tabellenspitze, drohte bzw. hoffte, ein ernst zu nehmender Meisterschaftskandidat zu werden, fuhr vielbeachtet nach München und verlor dann Nerven und Spiele. Die Geschichte wiederholte sich am Samstag. Ein Spitzenspiel sollte es werden im Olympiastadion: Bayern, der Klassenprimus, gegen die Leverkusener Streber, die zuletzt so gute Noten bekamen. Ein Spitzenspiel war es dann nur nach der immer häufiger zutage tretenden Definition eines solchen: abtastend, vorsichtig, kein Risiko, wenig Chancen. Bayerns Vertrauenslehrer Felix Magath trug im Vorfeld des Spiels schon pädagogisch dazu bei, dass seine Schüler vorsichtig zu Werke gingen, indem er Leverkusen zum Favoriten abstempelte. Reine Vorsichtsmaßnahme, wie sich später herausstellte. Während sich München zunächst kaum zu Wort meldete, hatte Leverkusen in dieser Doppelstunde irgendwie Angst, etwas Falsches zu sagen und blieb stumm. Oberlehrer Michael Weiner musste entscheiden, wer sich die drei Punkte verdient hatte und wählte die Bayern. Dessen peruanischer Jungspund Paolo Guerrero, für seine 20 Jahre schon ganz schön listig, ließ sich im Strafraum rücklings auf Nowotny fallen. Weiner witterte fälschlich regelwidriges Herunterziehen des armen Bayern-Stürmers; sein Elfmeterpfiff erstaunte alle, ließ aber nur heimischen Fans und Spieler jubeln. Roy Makaay verwandelte den Strafstoß. Das zweite Tor, das ebenso wenig in der Luft lag wie das erste, markierte Pizarro-Ersatz Guerrero persönlich. An den Pass von Zé Roberto wäre er eigentlich gar nicht herangekommen, wenn Torwart Butt nicht aus vollem Lauf ziemlich unkonventionell in Richtung Ball gesprungen wäre, um diesen gegen das Schienbein des gestylten Goalgetters zu treten, der zum 2:0 einschob. Bayern München setzt sich ab, die Konkurrenz kommt nicht so richtig heran.FC Schalke 04, derzeit Tabellenzweiter, hat es einigen Faktoren zu verdanken, dass sie mit drei Punkten Rückstand zumindest noch hoffen dürfen, doch mal ganz oben zu stehen. Allen voran sei die gnädig verlängerte Nachspielzeit erwähnt, die Schiedsrichter Helmut Fleischer an die bereits verhängte Nachspielzeit dranhängte. In diesen letzten Sekunden segelte ein verzweifelt gezirkelter Freistoß in den Rostocker Strafraum, der über Köpfe und Umwege zu Ailton gelangte. Sein 2:2 Ausgleichstor ließ all die Rostocker enttäuscht zu Boden sinken, die keine Kraft mehr hatten, sich beim Unparteiischen zu beschweren und Verschwörungstheorien zu formulieren. Zehn Minuten vor Ende, Rostock hatte gerade durch die Schweden Prica und Arvidsson den 0:1 Rückstand in eine Führung verwandelt, da wollte sich ein weiterer Schwede Namens Allbäck nicht vom Schalker Rodriguez beleidigen lassen, tätschelte dessen Wange und schubste den Uruguayer auf den Rasen. Fortan mussten die Rostocker zu zehnt weitermachen. Dass dann nicht mehr als ein Unentschieden herauskam und die Hanseaten auf dem letzten Platz mit neun Punkten Rückstand zum rettenden Ufer festfrieren, daran konnte auch der überraschend aus der finnischen Versenkung verpflichtete Mittelfeldgenius Jari Litmanen nichts ändern, der bis dahin auf das Rostocker Spiel einen wohltuenden Einfluss hatte.In Lauerstellung auf die Meisterschaft hat sich ein Grüppchen gebildet, das Spieltag für Spieltag immer wieder durcheinander gemischt wird. Titelverteidiger Bremen hat sich am Sonntag zurückgemeldet, will auch wieder mitmachen beim Bayern-Ärgern. Erst 0:2 in Wolfsburg zurückgelegen, nach 90 Minuten 3:2 gewonnen. Bremens Guerrero heißt Valdez. Auch ein junger Südamerikaner (aus Paraguay), fußballerisch hochtalentiert, torgefährlich, aber meist nur der Einwechselspieler im Schatten gesetzter Stürmer. So einer gehört zum Rezept, aus dem man eine Spitzenmannschaft macht: Man wechsle ihn ein, motiviere ihn vorher mit einem Stammplatz, den er nur durch Tore erlangen kann und lasse ihn zwölf Minuten nach seiner Einwechslung das umjubelte Siegtor schießen. Man wiederhole es die letzten Spieltage und klaue den Konkurrenten diese magische Rezeptur. Dann könnte noch die Meisterschaft locken. Besagtes Lauergrüppchen wird am heutigen Spieltag von den erneut sieglosen Stuttgartern und von Hertha BSC Berlin komplettiert, dessen Siegesserie auch in Mainz nicht gestoppt wurde.Damit sorgte der einstige Überraschungsaufsteiger aus Mainz unfreiwillig dafür, dass der Abstiegskampf nicht noch eintöniger wird. Trainer Klopp wirkt ratlos, die Euphorie aus der Hinserie ist dahin. Den Pfälzer Karnevalisten ist das Lachen vergangen; nur in Bochum, Freiburg und Rostock kann der Tatsache etwas abgewonnen werden, dass es wenigstens noch einen Gegner gibt, mit dem der Abstiegsplatz bald getauscht werden könnte. Der neutrale Fußballfreund, wenn es so jemanden wirklich gibt, hofft vermutlich weiter auf einen hinreißenden Verbleibsstreit für den Fall, dass an der Spitze weiter nur die Bayern regelmäßig punkten.