Zahnstatus: Mangelhaft
Der Wissenschaftsrat hat die Zahnmediziner evaluiert
Im Gangsterfilm heißt die Methode good cop, bad cop: Ein Polizist spielt den Verständnisvollen, der andere den Fiesen. Emotional hin- und hergeworfen zwischen den beiden, gesteht der Verdächtige bald. So ungefähr kann auch die Konsultation von Zahnärzten aussehen: Der eine droht mit der Zange, der andere rät zum Abwarten. Der Patient liegt dazwischen und sagt irgendwann zu allem: Ja.
Was aber die beste Behandlung ist, wissen viele Zahnärzte nicht. Es fehlt ihnen an wissenschaftlichem Rüstzeug. Wie schlecht es darum wirklich bestellt ist, hat am Montag der Wissenschaftsrat wissen lassen. In seinen Empfehlungen zur Weiterentwicklung der Zahnmedizin an den Universitäten in Deutschland verteilt er schlechte Noten für die 31 Universitäten mit zahnmedizinischen Studiengängen: zu viele Studenten pro Ausbilder, keine staatliche Qualitätskontrolle der Prüfungen, keine Anreize für wissenschaftliche Weiterbildung, zu wenig Spezialisierungen.
Die zahnmedizinischen Forschungsleistungen - so urteilt Deutschlands wichtigstes Beratungsgremium in Sachen Wissenschaft - rangierten im internationalen Vergleich auf niedrigem Niveau. Dafür habe Deutschland eine der höchsten Zahnarztdichten.
Zwar hat sich bei aller Kritik die zahnärztliche Versorgung durchaus gebessert. Die Vorsorge hat einen größeren Stellenwert, Karies ist auf dem Rückzug, und neue Werkstoffe machen manches möglich, was einst undenkbar war.
Die Entwicklung ist aber nicht der wissenschaftlichen Qualität geschuldet, sondern dem Anreiz veränderter Gebührenordnungen. Und dieses Lockmittel führt dazu, dass der Patient häufig mehr bekommt, als gut für ihn wäre.
Die Bemühungen, in der Zahnmedizin - wie in der Humanmedizin - Leitlinien und eine rigorose Methodenevaluierung einzuführen, sind in der Vergangenheit oft gescheitert. Jeder Patient sei anders, wehren Ärzte und Ausbilder die Einführung von Therapiestandards ab. Jetzt haben deutsche Zahnforscher ihr Schicksal selbst in der Hand. Ihr Ehrgeiz wird darüber entscheiden, ob die Lehrstühle an den Universitäten bleiben. Die schlichte Lehre für die Praxis des Bohrens und Löcherstopfens wäre an einer Fachhochschule besser untergebracht.
- Datum 03.02.2005 - 13:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 06/2005
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