Die Architektur hielt ihn am Leben

Zum Tode von Philip Johnson, einem der einflussreichsten Architekten des 20. Jahrhunderts - einige Erinnerungen seines Kollegen

Es muss im November 1976 gewesen sein. Wir waren zum alljährlichen Empfang der Century Association in New York eingeladen, alle waren im Smoking und ehrten die neuen Mitglieder. Dort, bei der Century, traf sich auch regelmäßig ein Kreis von Architekten - ebenfalls im Smoking -, und Philip Johnson leitete die Runde. An diesem Novemberabend wurde ich neben Philip gesetzt. Während unseres Gesprächs fragte er, wie es mir denn so gehe. Ich hatte gerade den Auftrag für mein bis dahin größtes und vielleicht wichtigstes Projekt verloren, das House X. Die Baugrube war schon ausgehoben, als der Bauherr die Arbeit stoppen ließ, weil ich die Ausführungspläne angeblich nicht rechtzeitig geliefert hätte. Nun wollte er das Geld, das ich von ihm bekommen sollte, nicht zahlen. Johnson fragte mich sofort, wie viel es denn sei. Zehntausend Dollar, sagte ich (was damals eine Menge Geld war).

Bald schon sprachen wir über andere, angenehmere Dinge, mit keinem Wort wurde das Geld noch erwähnt. Am nächsten Morgen, pünktlich um zehn Uhr, brachte mir ein Bote einen Umschlag. Darin eine kurze Nachricht von Philip. Betrachten Sie es als Langzeitdarlehen, stand da. Ein Scheck über zehntausend Dollar war beigefügt. Niemals wieder wurde über diese Sache gesprochen.

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Einige Jahre später arbeitete ich an einem Wettbewerb für das Wexner Center in Columbus, Ohio. Es war 1983. Etliche Tage bevor wir unseren Entwurf einreichen mussten, erschien Philip in unserem Büro, spät am Abend. Er wollte sehen, wie seine Kinder sich wohl machten. Er kritisierte uns mit harschen Worten, dann ging er, so plötzlich, wie er gekommen war. Am Abend vor der Abgabe erschien er erneut, um das Endergebnis zu begutachten, und er war sehr begeistert. Ein paar Tage später dann sollten Philip und ich gemeinsam an einer Jury-Sitzung in Princeton teilnehmen, bei der auch Michael Graves sein würde, einer meiner Mitstreiter im Wettbewerb um das Wexner Center. Als wir um vier Uhr morgens nach Princeton aufbrachen, hatte ich gerade die gute Nachricht erhalten, dass unser Entwurf gewonnen hatte. Auf der Fahrt nach Princeton erzählte ich Philip gleich davon. Dann mussten wir unser Glück den ganzen Tag für uns behalten, schließlich konnten nicht wir es sein, die es Michael erzählten.

Im August 2003 sah ich Philip zum letzten Mal. Meine Frau Cynthia Davidson und ich waren zum Lunch in sein Büro eingeladen. Bei unserer Hochzeit Jahre zuvor war er mein Trauzeuge gewesen, und Cynthia hatte zu seinem 90.

Geburtstag für Philip und seine besten Architektenfreunde eine Party im Four Seasons Restaurant ausgerichtet. An dem Tag, an dem wir ihn das letzte Mal besuchten, war er zu gebrechlich, um nach unten zu seinem Stammtisch im Four Seasons gehen zu können, wo wir oft zusammen gegessen hatten. Er wollte sich Architektur ansehen, sonst nichts, und so hatten wir Fotos und Zeichnungen unserer jüngsten Entwürfe für ihn mitgebracht. Wenn etwas dabei war, das ihm gefiel, wurde er gleich ziemlich munter. Es war die Architektur, die ihn am Leben hielt. Und als er diese Leidenschaft verlor, verlor er wohl auch seinen Willen zum Leben. Das Wichtigste, das man einem wunderbaren Menschen wie Johnson schenken kann, ist Freundschaft. Philip war mein Freund.

Philip Johnson

war es, der die Bauhaus-Moderne international bekannt machte. Als Kurator des Museum of Modern Art verschaffte er ihr eine große Bühne, als Partner von Mies van der Rohe plante er mit an einer der Ikonen der Moderne, am Seagram Building in New York. Nie allerdings war ihm das Soziale des Neuen Bauens wichtig, er sah darin nur einen Stil, den man wechseln kann wie einen Mantel.

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