Am 9. Juni 2006 wird zur Weltmeisterschaft in Deutschland angepfiffen und schon jetzt sind hierzulande alle sportlichen Gedanken auf dieses Ereignis gerichtet. Das große Ziel, der ausgesprochene Traum aller deutschen Fußball-Fans ist der Titel im eigenen Land. Ob das zu schaffen ist, weiß noch keiner so genau. Viele junge und wenige alte Spieler wurden gegen viele schlechte und wenige gute Mannschaften getestet. Der letzte Sieg gegen eine Spitzenmannschaft liegt vier Jahre zurück: Am 7. Oktober 2000 gewann Deutschland 1:0 gegen England.Zur Vorbereitung auf die WM hat der DFB nun die Mannschaft aus Argentinien nach Düsseldorf zum Proben gerufen, die der neue optimistische Bundestrainer Jürgen Klinsmann als derzeit beste Mannschaft der Welt lobt. Deutschland gegen Argentinien ist nur ein Freundschaftsspiel, wenn auch eine Standortbestimmung für den Deutschen Fußball. Aber vor allem weckt es Erinnerungen an zwei große Begegnungen, bei denen es um mehr ging, als zu testen, wer mit wem wohl in Zukunft am besten kann. Die Spiele sollten nicht zeigen, ob Deutschland nach einer verkorksten Europameisterschaft bald wieder um einen internationalen Titel mitspielen kann, denn 1986 und 1990 spielten sie um den Titel des Weltmeisters.In der Addition beider WM-Endspiele steht es 3:3 unentschieden. 1986 war Argentinien schlicht besser, Diego Armando Maradona hatte mit seiner "Hand Gottes" den Weg ins Finale geebnet. Mit seinem nicht minder gesegneten Fuß schickte er Burruchaga auf den Weg zum 3:2- Siegtor; nur der Atem Hans-Peter Briegels kam hinter ihm her. Vier Jahre später die Revanche. Deutschland wurde zum letzten mal Weltmeister.Noch einmal erstrahlte deutsche Fußballqualität beim Gewinn der Europameisterschaft 1996, 2002 kamen Deutschland mehr kämpferisch als spielerisch ins Endspiel. Argentinien verlor Maradona ans Kokain und war nicht sonderlich erfolgreich. In Südkorea und Japan war zuletzt bereits in der Vorrunde Schluss. Das international mäßige Abschneiden ist aber nicht die einzige Parallele zwischen Deutschland und Argentinien. Auch die Südamerikaner haben einen neuen Trainer, der sich nicht scheut, die Jugend in die Verantwortung zu nehmen und Stars wie Juan Sebastian Veron ganz auszuladen. Im Mittelfeld hat er Roman Riquelme das Zepter überlassen, dass einst Maradona für jeden sichtbar schwang. Riquelme wurde genau wie Maradona beim argentinischen Club Boca Juniors zum Star, bevor er in Europa Glück und Geld suchte. Bei Boca erlaubte Maradona nur ihm, seine geliebte Nummer zehn auf dem Trikot zu tragen und erkor ihn damit zu seinem Nachfolger.An den einzigartigen argentinischen Genius wird er dennoch nicht heranreichen. So muss im Deutschen Team zumindest schon mal kein neuer Guido Buchwald gefunden werden, der wie anno 1990 für 90 Minuten dem gegnerischen Spielmacher auf den mittlerweile bunten oder goldenen Schuhen steht.