"Dem deutschen Film geht es so gut wie nie", freut sich Heinz Badewitz. Er leitet die Berlinale-Sektion German Cinema, mit der die internationale Aufmerksamkeit für die deutschen Produkte erhöht werden soll - und damit die Marktchancen im Ausland. Denn hierzulande hat der einheimische Film fast einen Stellenwert erreicht wie in Frankreich. Im Nachbarland werden in den Kinos traditionell mehr eigene Filme gezeigt, die auch über die Landesgrenzen hinaus hohes Ansehen genießen.

In den letzten zwei Jahren konnte der deutsche Film seinen Marktanteil mit 23% Plus fast verdoppeln und somit einen beachtlichen Erfolg gegenüber den Blockbustern aus Hollywood landen. 2004 erreichten sechs Kinofilme mehr als eine Million Zuschauer und die Zahl der geringer budgetierten Filme mit über 100.000 Zuschauern stieg ebenfalls. Auch qualitativ legte die hiesige Produktion zu: Mit "Goodbye, Lenin" und "Gegen die Wand" gewannen zwei deutsche Filme nacheinander den Europäischen Filmpreis. Nach elf Jahren Abstinenz durfte mit "Die fetten Jahre sind vorbei" endlich wieder ein deutscher Film im Wettbewerb von Cannes teilnehmen. Zudem wurden "Der Untergang" und "Die Geschichte des weinenden Kamels" für die Oscars nominiert.

Höhepunkt war sicherlich der Goldene Bär im letzten Jahr für Fatih Akins Immigrantendrama "Gegen die Wand". Dieses Jahr befinden sich unter den 21 Wettbewerbsbeiträgen drei aus Deutschland. Neben " "Sophie Scholl - Die letzten Tage" von Marc Rothemund werden "One Day in Europe" von Hannes Stöhr und "Gespenster" von Christian Petzold laufen, die beide vom Berliner Verleiher Piffl Medien vertreten werden. Die Firma aus dem Stadtteil Friedrichshain betreibt neben dem Verleihgeschäft auch zwei Freiluftkinos im Bezirk.

Der Vorteil als Verleiher auch selber Kinos zu betreiben, liegt für den Geschäftsführer Hans-Christian Boese auf der Hand: "Wir kommen nicht so weit weg vom Kino, sondern sind immer auch selber Teil des Publikums. Wir sagen nicht: 'Schaut Euch das an!', sondern 'Haben wir gerne gesehen!'" Und so kam es auch, dass die meisten der angebotenen Filme aus Deutschland kommen, obwohl die Herkunft keinen Ausschlag bei der Auswahl gab: "Das hat sich so herauskristallisiert." Entscheidender sind die Themen, die die Filme behandeln. Und die meisten deutschen Filmemacher interessieren sich für die Nuancen der deutschen Realität und greifen damit Probleme auf, die in anderen europäischen Ländern ähnlich aktuell sind: Zuwanderung, Angst vor sozialem Abstieg, neuer Nationalismus.

Der wirtschaftliche Erfolg des deutschen Films leitet sich jedoch aus seinen Zugpferden ab. Die beliebtesten Filme des letzten Jahrs waren mit "(T)Raumschiff Surprise" und "7 Zwerge" zwei Klamaukfilme. "Der Erfolg einzelner Blockbuster färbt auch auf die anderen Filme ab. Deutsche Filme profitieren sogar von Hollywood-Produktionen, weil plötzlich mehr Menschen ins Kino gehen", sagt Boese. Für die Kritikerpreise interessiere sich nur ein kleiner Kreis von Cineasten. Das Arthouse-Kino steht aber immer am Anfang einer umfassenden Entwicklung, während die Zuschauermagneten oft nur punktuell auftauchen und für eine kurze Belebung sorgen.

Hoffnungsschimmer gab es immer wieder in der Geschichte des deutschen Kinos. Bedeutend war sicherlich das Oberhausener Manifest von 1962, als 26 junge Filmemacher, unter ihnen Volker Schlöndorff und Alexander Kluge, eine Erklärung über den Zusammenbruch des konventionellen deutschen Films unterzeichneten. In den folgenden Jahrzehnten entstanden große Filme von Regisseuren wie Wim Wenders und Rainer Werner Fassbinder. Doch mit dem Ende der politischen Protestbewegung erlahmte auch die Kreativität der deutschen Filmemacher.

Erst mit dem Überraschungserfolg von Tom Tykwers "Lola rennt" stieg das internationale Ansehen des deutschen Films wieder. Produziert wurde der Film von X-Filme, dessen Schwester-Unternehmen X-Verleih auch den dritten Berlinale Beitrag vertritt. Bei der Berliner Verleihfirma erwartet man, dass der Film nicht nur einem Arthouse-Publikum vorbehalten bleibt, sondern auch eine breite Öffentlichkeit findet. Mit der Weißen Rose hofft man ein passendes Thema gefunden zu haben.