irak Distanziert und mitfühlend

Die entführte Reporterin Giuliana Sgrena ist unter den Journalisten eine Ausnahmeerscheinung

Am Freitag morgen war die Journalistin Giuliana Sgrena auf dem Weg zu einer Bagdader Moschee. Sie ist dort nie angekommen. Bewaffnete Männer haben sie aus dem Auto gezerrt und entführt. Seither fehlt jede Spur von ihr.

Giuliana Sgrena ist Journalistin der italienischen Tageszeitung "Il Manifesto". Die Leser der ZEIT haben sie kennen lernen dürfen, als der Krieg im Irak begann. Sgrena berichtete aus Bagdad. Sie verfasste dort ein "Tagebuch" für DIE ZEIT. In diesen Texten konnte sie alle ihre Qualitäten zeigen - distanzierte Analyse, kühler Bericht, mitfühlende Reportage.

Giuliana Sgrena ist unter den Journalisten eine Ausnahmeerscheinung. Sie ist mit ihren Geschichten immer nahe dran am Schicksal der Menschen, und doch verfällt sie nie in Sentimentalität. Nie hat sie den Fehler gemacht, sich selbst wichtiger zu nehmen als die Geschichte. Und nie hat sie einen Hehl daraus gemacht, dass sie vehement gegen diesen Krieg war. Das hat sie nicht daran gehindert, klare Analysen zu formulieren. Ihre Engagement gegen den Krieg hat ihren Blick nicht getrübt.

Die Reporterin hat sich in den Dienst der Menschen gestellt, indem sie auch unter den schwierigsten Umständen informierte. Sie hat ihr Leben riskiert, nicht weil sie daran Spaß hatte. Sie ist keiner Abenteurerin. Sie hat ihre Arbeit getan. Sie ist hinausgefahren, auch noch in die entlegensten Dörfer, weil sie wissen wollte, was genau geschehen ist. Sie wollte mit ihren eigenen Augen sehen, weil sie den Kriegsparteien niemals traute. Deshalb ist sie auch am vergangenen Freitag in diese Bagdader Moschee gefahren. Sie hatte gehört, dass dort viele Flüchtlinge aus Falludschah untergebracht sind. Über diese Menschen wollte sie schreiben.

Giuliana Sgrenas Notizen von einer dreiwöchigen Reise im Irak, September 2004

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  • Serie sgrena
  • Quelle (c) ZEIT.de, 04.02.2005
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