Der Kerl gibt einfach nicht auf. So reagieren erboste Fans von Manchester United auf den erneuten Vorstoß von Malcolm Glazer. Der amerikanische Milliardär hat es sich offenkundig in den Kopf gesetzt, das Kronjuwel des internationalen Fußballs zu erwerben. Gegen den erbitterten Widerstand der Fans und die tiefe Skepsis des Vorstandes. Glazer legte ein neues Übernahmeangebot auf den Tisch. Er ist bereit, die Aktionäre mit einem Preis von 3 Pfund pro Aktie zu locken, wonach sich der Börsenwert des Clubs auf rund 1,3 Milliarden Euro beliefe. Ein stolzer Preis für ein Wirtschaftsunternehmen, das letztlich abhängt von der Form der Spieler, die bekanntlich immer wieder mal schwankt. Auch wenn der englische Jungstar Wayne Rooney gerade ein Wundertor nach dem anderen erzielt. Manchester gilt an der eigentlich fußballskeptischen Börse ohnehin als Ausnahmeerscheinung: Gut geführt und sportlich erfolgreich gemanaged vom schottischen Sturkopf Alex Ferguson, wirtschaftlich äußerst solide und kontinuierlich erfolgreich auf dem grünen Rasen, auch wenn es mit der englischen Meisterschaft in dieser Saison wohl nichts wird angesichts des FC Chelsea. Aber für die europäische Meisterschaftsliga, den Dukatenesel des internationalen Fernsehfußballs, wird es allemal reichen.

Warum will Malcolm Glazer den Club, von dem er bereits 28 Prozent der Aktien besitzt? Den Fans ist der Amerikaner, der den Footballclub Tampa Bay Buccaneers besitzt, nicht geheuer. Ihr Club, so argwöhnen sie, ist dem Geschäftsmann egal. Ihn reizen die globale Marke Manchester United, die weltweite Fangemeinde, die kräftig Trikots und andere Utensilien kauft und die kontinuierlich hohe Profitabilität des Clubs; ein Spiel des Teams aber hat Glazer sich bislang noch nicht angeschaut. Was das Misstrauen gegen ihn erhöht. Er sieht in ManU nur die "cash cow". Auch die Direktoren des Clubs zeigen wenig Begeisterung für das verbesserte Angebot des Amerikaners. Er verspricht zwar, das Stadion Old Trafford nicht zu verkaufen und zurückzuleasen. Auch will er Geld für die Verpflichtung neuer Stars bereitstellen. Aber Glazer müsste sich für den Erwerb immer noch hoch verschulden, eine Bürde, die dann auf den Club abgewälzt würde. Trotz allem besitzt der Amerikaner diesmal eine Chance. Selbst wenn der Vorstand nein sagen sollte - das letzte Wort haben die Aktionäre. An ihre Gewinnsucht appelliert Glazer. Nähmen sie sein Angebot an, würden sie einen saftigen Profit einstreichen. Viele Anhänger verfluchen deshalb den Tag, an dem sich ihr Club in eine AG verwandelte. Militante Fans drohen nun vorsorglich mit Boykott. Sie wollen die Eingangstore zum Stadion blockieren und jede Gesellschaft attackieren, die für Glazer arbeitet. Das Finanzhaus Brunswick wurde im vergangenen Jahr mit Faxen und Telefonanrufen lahmgelegt, unentwegt fuhren unbestellte Taxis und Pizzalieferanten vor. Fußball mag Big Business geworden sein, aber die Emotionen der Anhänger bleiben ein Faktor, den selbst kühle Geschäftsleute nicht ganz ignorieren können.