Eine islamistische Gruppe hat sich am Freitagabend im Internet zur Entführung der italienischen ZEIT-Mitarbeiterin Giuliana Sgrena bekannt. Eine Gruppe, die sich "Islamischer Dschihad" nennt, forderte den Abzug der italienischen Truppen aus dem Irak binnen 72 Stunden. Eine konkrete Drohung, die Geisel zu töten, enthielt die Erklärung nicht.

Unklar ist, ob die Internet-Erklärung authentisch ist und sich die 56-Jährige tatsächlich in der Gewalt der Gruppe befindet. Die Erklärung wurde auf einer Internetseite veröffentlicht, die nicht von den großen Rebellen-Gruppen im Irak für Mitteilungen verwendet wird. Im September hatte sich eine Gruppe, die sich ebenfalls "Islamischer Dschihad" nannte, im Internet zur angeblichen Ermordung zweier verschleppter Wiederaufbauhelferinnen aus Italien bekannt, die später aber wohlbehalten von einer anderen Extremistengruppe freigelassen wurden.

Eine Kollegin von Giuliana Sgrena hat während und nach der Entführung zwei Anrufe von ihr auf ihrem Mobiltelefon erhalten. Beim ersten Anruf habe sie Schüsse gehört, sagte die in Bagdad arbeitende Barbara Schiavulli von der römischen Rundfunkstation GRT. Bei einem zweiten Anruf sei lediglich arabische Musik zu hören gewesen.

Auch ein ZEIT-Redakteur hatte offenbar noch nach der Entführung telefonischen Kontakt zu Sgrena. Während des kurzen Gesprächs per Satellitentelefon wirkte die Reporterin verstört. Offenbar telefonierte sie aus einem geschlossenen Raum, es waren keine Umgebungsgeräusche zu hören, der Klang war sehr gedämpft. Sie sagte lediglich, sie könne jetzt nicht sprechen und bat um einen späteren Anruf. Doch dann war nur noch ihre Mailbox zu erreichen.

Die Journalistin, die für die italienische Zeitung "Il Manifesto" und für die ZEIT arbeitete, war am Freitagmorgen in Bagdad nahe der Universität verschleppt worden. Sie kam gerade aus einer Moschee, in der sie mit Flüchtlingen aus Falludschah sprechen wollte, die ihre Stadt wegen der Offensive der US-Truppen gegen Aufständische verlassen hatten. Zeugen berichteten, es habe eine Schießerei gegeben, als die Italienerin der irakischen Hauptstadt in ein Auto gezerrt wurde. Nach Angaben von Sgrenas Dolmetscher hatten die Täter in Autos vor der Moschee gewartet. Wachleute sollen auf die Entführer geschossen haben, die Geiselnahme nicht haben verhindern können. ( zeit.de, mit dpa, reuters )